Geblogge

Und mehr.

Viel mehr

Viel, viel mehr

Erster Tag zurück im Büro. Erholt, glücklich und entspannt. 🙂 Gerade habe ich die Printversion von „Aufgetaut“ an Books on Demand übermittelt, damit die Leute, die Print lieber mögen, das endlich auch lesen können.

Und nun … habe ich ein paar Minuten, um über das vergangene Jahr nachzudenken. Das vergangene Jahr als Autorin, darum geht’s auf diesem Blog schließlich. Was habe ich gelernt? Was hat gut geklappt und was ist schiefgelaufen?

Verdammt wenig ist schiefgelaufen, hehe! Okay, da gab’s ein paar Sachen, aber die fallen einfach kaum ins Gewicht, wenn alles andere so 1000x toller lief, als ich es mir erträumt hätte. Ich habe das Jahr als überarbeitete Pendlerin begonnen und als Vollzeit-Autorin beendet. Wenn das nicht super ist, was dann? Wobei ich jetzt nicht aus einem höllischen Schikane-Job geflüchtet bin. Die Arbeit war okay und die Kollegen wundervoll. Aber sich den ganzen Tag lustige Geschichten ausdenken, macht dann doch mehr Spaß.

Jut, Rückblick, von Anfang an …

Dazu muss ich weit ausholen. Ungefähr … 10 Jahre weit. Jupp. Damals hatte ich diese Idee für einen Manga, die ich unbedingt umsetzen wollte. Der Held war ein schlecht gelaunter Punkrocker, der wie so viele Mangahelden, wunderschön, hochintelligent und ein Frauenheld ist. Da mir kein Name einfiel, habe ich eine Freundin gebeten, ihm einen zu geben und sie kam ausgerechnet auf „Pierre“. Und da es mich damals total genervt hat, dass es in den Lovestories, die ich gelesen habe, auch unter Männern immer eine klassische Rollenverteilung zwischen stark („männlich“) und schwach („weiblich“) gab, brauchte ich jemanden, der diesem Pierre ebenbürtig war. Aber anders, sonst wird’s ja langweilig.

So entstand Boris, der gigantische, maulfaule und mürrische Torwart. Der konnte Pierre zwar geistig nicht das Wasser reichen, aber ihm eine reinhauen, wenn er zu frech wurde. Ähm, ja. Und da es gut ist, erstmal den ganzen Text aufzuschreiben, bevor man beginnt, zu zeichnen, habe ich das gemacht. Zwei oder drei Jahre lang.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich hier kein Skript schreibe, sondern ein Buch. Ein Buch, das natürlich niemand je lesen wollen würde, schließlich war ich keine Autorin, aber: ein Buch. Und Schreiben hat Spaß gemacht. So sehr, dass ich dranblieb, obwohl es mich oft in den Wahnsinn getrieben hat und ich an meinen eigenen Ansprüchen fast zugrunde gegangen bin. So sehr, dass ich … es beendet habe, als erstes Buch ever. Ich konnte die Jungs einfach nicht hängenlassen. Die brauchten ein Happy End nach dem ganzen Drama und zwar das beste, das ich ihnen schenken konnte.

Inzwischen hatte mich das Schreiben so gepackt, dass ich noch einen unglaublich lehrreichen Schreibkurs hinterher geschoben habe, und dann … kam mir das Leben dazwischen. Oder eher: das Geld. Das musste ich langsam mal verdienen und mit Schreiben war da nichts zu machen. Ich habe mich auf mein anderes Talent konzentriert und wurde Illustratorin. Habe eine Fortbildung in Animation gemacht und ja, das mit dem Geld verdienen hat tatsächlich geklappt (einigermaßen).

Aber in den nächsten Jahren hat mich das Schreiben nie ganz losgelassen. Da waren immer noch Pierre und Boris, deren Geschichte überarbeitet werden wollte. Und ein paar andere Ideen, unter anderem die von dem Kerl, der in Frauenkleidern versehentlich einen Prinzen heiratet … Aber mit sowas kann man ja kein Geld verdienen.

Das klingt jetzt, als wäre ich total geldgeil gewesen, aber ich war hauptsächlich arm. Da denkt man zwangsläufig viel an Geld. Ich habe mir alle möglichen Kompromisse überlegt, wie ich mit Schreiben irgendwie zu meinem Lebensunterhalt beitragen könnte. Wenigstens ein bisschen, soviel, dass es die Miete zahlt oder mal einen Restaurantbesuch finanziert.

Leider gab es ein weiteres Problem, das viele Selbständige kennen: Das Chaos, das ohne geregelten Tagesablauf entsteht. Ich habe es irgendwie geschafft, den Illustrationskram zu erledigen, aber, auch weil ich zuhause gearbeitet habe, war an Schreiben nicht zu denken. Prokrastination auf facebook usw. kam mir wichtiger vor. Lustigerweise habe ich jahrelang, um mich vor dem Schreiben zu drücken, Schreibratgeber gelesen.

Dann, 2013, als es mit Illustration auch noch schlecht lief, habe ich eine Bewerbung geschrieben und wurde genommen. Eine richtige Festanstellung. Allerdings: eine gute Stunde von zuhause entfernt, die ich jeden Tag hin- und herpendeln musste. Freunde, Bekannte und Verwandte waren vollkommen entsetzt, während sich in meinem Kopf eine begeisterte Stimme meldete und rief: „Drei Stunden jeden Tag! Das ist Schreibzeit!“

Und das hat, wunderbarerweise, funktioniert. Endlich hatte ich wieder geregelte Arbeitszeiten und ein festes Zeitfenster, in dem ich schreiben konnte. Im Zug, mit Tablet und Tastatur auf dem Schoß. Nicht immer leicht, dank Schlingern, neugierigen Mitlesern, Schulausflügen und Junggesellinnenabschieden („Zu ihm“ ist mein autobiografischstes Buch). Aber die größte Hürde, meine eigene Faulheit, war überwunden.

Natürlich hatte ich immer den Traum, vom Schreiben zu leben, im Hinterkopf. Mit Gay Romance (von der ich damals noch gar nicht wusste, dass sie so heißt) war das natürlich nicht machbar. Also habe ich erstmal zwei Hetero-Liebesromane und eine Dystopie geschrieben.

Als ich den ersten Liebesroman (Leonie Biersack) herausbrachte, passierte auch gleich … nichts. Ein paar Verkäufe in den ersten Tagen und das war’s dann. Ein typische Selfpublisher-Geschichte.

Entmutigt war ich nicht. Ich wusste, dass es eine Weile braucht, bis man erfolgreich ist. Eine Weile und viele Bücher. Aber meine Autorenseite bei amazon sah verdammt kahl aus mit nur einem läppischen Buch. Und so kam ich auf die Idee, auch noch „No Way„, die Geschichte mit Pierre und Boris hochzuladen. Nur, um mehr wie eine richtige Autorin auszusehen. Große Chancen habe ich mir nicht ausgerechnet. Ich habe den beiden ein schönes Cover gemalt, das Buch hochgeladen, „Gay Romance“ draufgeschrieben und bin schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen warf ich einen Blick auf das Verkaufs-Dashboard und kippte fast um. Ich hatte 17 eBooks verkauft! 17! Eine unglaubliche Menge, soviel hatte Leonie Biersack insgesamt nicht eingebracht! Über zwanzig Euro verdient, im Schlaf! Wer hätte gedacht, dass irgendwer außer mir solche Geschichten mochte?!

Insgesamt habe ich in dem Monat über tausend Euro verdient. Dann sanken die Verkaufszahlen und das Ranking und „No Way“ verschwand langsam in den Untiefen des Amazonas, bis die Monatseinnahmen nur noch für einen Restaurantbesuch reichten. Aber das war mir egal. Ich hatte Blut geleckt. Wenn jemand außer mir Gay Romance mit saudummen Witzen liebte, dann würde ich weiterschreiben. Ideen hatte ich über die Jahre genug angesammelt (viel mehr als für andere, „vernünftige“ Bücher) also habe ich losgelegt. 2015 schrieb ich „Funkenflut“ (das eigentlich ein Porno war, erzähl ich irgendwann mal) und „Seine Narben“ und 2016 fing ich an, zu veröffentlichen (Überarbeiten braucht Zeit).

2016!

Uuuuund damit sind wir endlich im Jahr 2016! Meinem Jahr! Das für alle anderen anscheinend furchtbar war, na ja, für mich auch irgendwie, aber halt weder privat noch beruflich. Im Februar brachte ich „Funkenflut“ heraus und es lief genau so gut wie „No Way“. Ich war vollkommen ekstatisch. Meinen Job kündigen konnte ich von dem Geld noch nicht, aber … das war was. Das war ganz bestimmt was.

Ende März veröffentlichte ich „Seine Narben“. Eine Geschichte über einen reichen Schönling, der versucht, seinen armen Mitbewohner loszuwerden und sich versehentlich in ihn verliebt. So wunderbar beknackt, dass ich mal wieder sicher war, dass nur ich an diesem Buch Spaß haben würde und sonst niemand.

„Seine Narben“ ist bis heute mein größter Erfolg. Das erste Mal, dass ich mit Schreiben mehr verdient habe als mit meinem „richtigen“ Job und das mit genau dem lustigen, kitschigen, saudummen Kram, den ich am allerliebsten zusammenspinne!

Und dann war irgendwie alles klar. Ein bisschen Abwägen und ein paar Ermutigungen später habe ich gekündigt. Ab Juni 2016 war ich wieder selbständig.

Regeln, Zucht und Ordnung

Diesmal wollte ich alles (alles!) besser machen als beim letzten Mal. Kein Prokrastinieren mehr! Keine Ängste und Selbstzweifel und Rumgeheule! Da zuhause arbeiten nicht funktioniert hat, habe ich einen Platz in einem Büro voll Kreativer gefunden (Danke, Marcel!). Und ich habe eiserne, knallharte Regeln für meine Arbeit aufgestellt, die ich nie, nimmer, nicht brechen durfte!

Hat eigentlich halbwegs funktioniert. Nur die Regeln sind anders als vorher.

Begonnen habe ich mit diesen fünf:

1. Hab keine Angst
2. Hab Spaß
3. 8:00 – 12:00 Uhr: Schreibzeit
4. Was du anfängst, musst du beenden
5. spätestens 18:00 Uhr: Feierabend

Ein Teil ist geblieben, ein Teil hat sich als unpraktikabel erwiesen. Die festen Schreibzeiten zum Beispiel. Ich dachte damals, dass ich den Vormittag über schreiben würde und den Rest des Tages alles andere erledigen würde (und das ist als selbständige Autorin, Comiczeichnerin und Illustratorin eine ganze Menge). Was soll ich sagen? Klappt nicht. Es fällt mir leichter, die Rohfassung eines Buchs in zwei Wochen in Vollzeit runterzutippen als in vier Wochen halbtags. Und wenn ich mich um das Comicprojekt, das auch noch „nebenbei“ läuft, kümmern muss, ist es leichter, eine ganze Woche dafür zu verplanen als ein paar Stunden zwischendurch. Ich arbeite sozusagen in Blöcken. Die neuen Regeln sind (zurzeit):

1. Schreib!
2. Hab Spaß dabei
3. Hab keine Angst (und wenn du Angst bekommst: Mach es trotzdem)
4. Was du anfängst, musst du beenden
5. Du verdienst ein Wochenende und einen Feierabend

Schwammiger, könnte man sagen. Aber da ich parallel mit festen Wordcounts/Zielvorgaben am Tag (kann man bei Papyrus Autor einstellen) und einem Kalender arbeite, funktioniert es. Die Regeln sind natürlich inspiriert von Heinleins Rules. Bei denen man immer dazu sagen muss, dass es seine Business-Regeln waren. Keine Anleitung zum „schön“ schreiben also, sondern Geschäftsregeln für Berufsschriftsteller und solche, die es werden wollen. Ich fahre bisher sehr gut damit.

Erfolg!

Alles, eigentlich. Oder fast alles. Alle Bücher, die ich für absolute Risikoprojekte gehalten habe, haben begeisterte Leser gefunden. Die Geschichte von zwei Typen, die beide total schlecht im Bett sind und sich ineinander verlieben? 14 5-Sterne-Rezensionen auf amazon. Meine Gay Romance Fantasy-Komödie in der zwei Männer total realistischen Sex auf einem Pegasus haben? Der größte finanzielle Erfolg, seit ich mich selbständig gemacht habe. In all der Zeit kamen exakt zwei Beschwerden, dass das alles viel zu bescheuert wäre.

Ich habe im letzten Jahr mehr wunderbare Autoren und Leser kennengelernt als je zuvor und mehr Bücher geschrieben sowieso. Und das Gruuuuuseligste gemacht, was ich mir früher vorstellen konnte: Eine Lesung gehalten. War eigentlich ganz lustig. Und danach hab ich NOCH MEHR nette Leute kennengelernt. 🙂

Reich bin ich nicht. Wenn ich nicht alle zwei Monate ein neues Buch veröffentliche, wird’s knapp. Aber das ist kein Problem, wenn man so viel Spaß hat. 🙂

Misserfolge

Gerade fällt mir nur einer ein und der ist wahrlich nicht SO schlimm (geärgert hat’s mich natürlich trotzdem). Also: In Autorenkreisen kursieren die unterschiedlichsten Meinungen zum „Weihnachtsgeschäft“. Manche sagen, da kaufen die Leute wie verrückt, da sie gerade Zeit, Weihnachtsgeld und neue E-Reader haben. Andere sagen, dass man auf keinen Fall im Dezember ein neues Buch herausbringen sollte, weil da ALLE neue Bücher veröffentlichen und man in der Masse völlig untergeht. Ich hab’s einfach mal ausprobiert und, äh …

Na ja.

Am 20. habe ich „Aufgetaut“ veröffentlicht. Es ging los wie immer, sogar besser. Aber dann …

So sieht die übliche Verkaufskurve eines eBooks aus:

Bei wirklich jedem meiner Bücher war es so. Erst das „Erster Tag“-Hoch, wenn alle Stammleser zuschlagen. Dann zwei, drei Tage Absinken, dann das zweite Hoch. Da haben die guten, alten amazon-Algorithmen kapiert, was die Leute, die dein Buch gekauft haben, noch gekauft haben. Und unter diesen Büchern wird dein Buch dann angezeigt, d.h. von Leuten entdeckt, die es auf anderem Wege nicht gesehen haben.

So sieht die Verkaufskurve von „Aufgetaut“ aus:

Jupp, das zweite Hoch fehlt. Und wenn man sich das Datum ansieht, weiß man auch warum. Natürlich kauft am Heiligabend niemand eBooks! Na ja, fast niemand. Hätte ich mir denken können.

Habe ich aber nicht.

Danach habe ich auch nichts von Leuten mit neuen kindles gemerkt, die zu Weihnachten ausschließlich amazon-Gutscheine bekommen haben. Also hat das Buch (das mir sehr am Herzen lag, aber das tun sie ja alle …) schlechter abgeschnitten, als es das in jedem anderen Monat getan hätte. Und das ist immer noch nicht SO übel. Nur ein wenig ärgerlich. Ich merke mir das einfach fürs nächste „Weihnachtsgeschäft“ und veröffentliche ab Mitte Dezember keine Bücher mehr. Hab’s mir sogar in den Kalender geschrieben. 🙂

In Zahlen!

In diesem Jahr habe ich  neun eBooks und sieben Printbücher veröffentlicht, neun Cover gemalt, einen Nanowrimo gewonnen und 384.000 Wörter geschrieben. Bin zufrieden.

Und sonst so?

Hm … Mein Lieblingsfilm 2016: Zootopia/Zoomania

Mein Lieblingsbuch 2016:

Dazu habe ich sogar einen Tagebucheintrag gefunden, Moment …

„Ich hab das beste Buch der Welt gelesen. Bis um halb zwölf nachts und um vier war ich wieder wach und hab weiter gelesen. Soooo gut!“ Was soll ich sagen? Mir hat’s gefallen. 🙂

Lieblings YouTube-Review-Dingsbums: Baywatching

Ein Lieblingslied oder -spiel habe ich nicht, weil ich alt bin und sonst …

Oh, Lieblingsserie 2016: Crazy Ex-Girlfriend. Zumindest habe ich das 2016 gesehen, so weit ich mich erinnere. Aber da ich noch nie jemanden davon überzeugen konnte, das zu schauen (bei „Musical“ machen Leute dicht 🙂 ), versuche ich es gar nicht erst.

So, ein erstklassiger Jahresrückblick 2016 (in dem der „2016“-Teil am Kürzesten war, aber egal). Auf ins neue Jahr! Morgen wird geschriiiiieben!!!

Geblogge

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Gestern Abend kam die Printversion von „Sexy Versager“ an. Endlich! BoD braucht meistens ca. zwei Wochen, von dem Zeitpunkt, an dem ich die Daten übermittle bis ich endlich das Buch in den Händen halte.
Ich hab dann gleich noch ein Poserfoto mit den anderen Büchern gemacht (oder eher: machen lassen. Danke, Lena! Danke, Marsl!). Ich konnte die kaum halten, dabei sind das noch nicht mal alle, die ich je geschrieben habe. Ich nehme mir eher selten die Zeit, zurückzublicken und stolz zu sein, aber heute … hab ich’s mal gemacht. Fühlt sich toll an. 🙂 Wie man an meinem Gesichtsausdruck unschwer erkennen kann:

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Heutiger Wordcount: 4.426 Wörter
Wordcount »Tiefgefroren« (Arbeitstitel) insgesamt: 33.439 Wörter

Lieblingsstelle heute:
»Scheiße! Sorry, ich … ich bin so daneben.« Leise fluchend sprang er auf. Sah Nils an, als wäre der eine Schnecke, auf die er gerade versehentlich getreten war. »Tut mir leid. Tut mir wirklich leid. Ich … geh mir das Gesicht waschen.«
Und schon war er verschwunden. In dem unteren Bad, dem mit der Toilette. Nils hörte die Tür zuschlagen. Starrte ihm nach. Starrte in die Flammen, die unbeirrt die Holzscheite fraßen. Spürte sein Herz hämmern.
Und stand auf.

Geblogge

Hehe, habe meinen offiziellen Nanowrimo-Roman erstellt. 😀 Samt Coverskizze!

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Die Handlung wird so richtig schnuckelig-weihnachtlich-romantisch. 🙂 UND SÜSS! Wer nicht weiß, was dieser „Nanowrimo“ ist: Alle Infos gibt’s hier: nanowrimo.org
Und falls das jemand liest, der auch mitmacht und mein Writing Buddy sein möchte: Mein Nano-Name ist „Reginade“. 🙂 Ooooh, ich kann’s kaum erwarten, dass es losgeht!

Weitere Neuigkeiten: Sexy Versager läuft gut. Das Buch hat schon eine (sehr liebe) Rezension erhalten und einen Rekord gebrochen: „Höchste Position in den kindle Top 100, die je ein Buch von mir erreicht hat“. Platz 44, irgendwann gegen Mitternacht. 🙂 Top 50, Baby!
Montags hochzuladen hat also Vorteile. Geplant war das nicht, das Buch war halt fertig also habe ich veröffentlicht. Inzwischen ist es auch nur noch Nummer 70 oder so.

Und das Schreiben … Ich habe das schon bei anderen Büchern erlebt, aber nie so heftig. Eben stecke ich noch knietief in der Mitte, kein Ende in Sicht, nur kilometerweit zäher Schlamm, und Sekunden später … beschließen die Charaktere mal eben, das Finale einzuläuten. Einfach so, zack, auf und davon auf einem fliegenden Pferd mit der halben Wache auf den Fersen und ich? Wollte eigentlich noch voll viel aufbauen. Na, falls Szenen fehlen kann ich sie ja rückwirkend einbauen. Und vielleicht waren sie nie notwendig. Die Muse weiß mehr als ich, in den meisten Fällen zumindest. Auf jedenFall folgt jetzt Actionszene auf Actionszene, auf Tod, Verderben, Drama und Schießereien (Bogenschießereien!) und ich bin überglücklich. Dann werde ich wohl doch noch in dieser Woche fertig mit der Rohfassung. Noch drei Tage!

Heutiger Wordcount: 3.764 Wörter in 3 Stunden
Wordcount »Prinzgemahl« (Arbeitstitel) insgesamt: 51.452 Wörter

Lieblingsstelle heute:
»Hat er einen Namen?«, fragte Nat.
»TR 127«, las Solan auf der breiten Flanke. »Hier, dort brennen sie das Kennzeichen ein.«
»Das Kennzeichen?« Nat und der Pegasus schnaubten. »Er braucht einen richtigen Namen. Ich denke, ich nenne ihn … Fliegi.«
»Fantastisch.« Solan verdrehte die Augen. »Du bist so kreativ, mein Täubchen.«
»Halt die Klappe und schnür mein Korsett auf.«

Neuerscheinung

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Neues Buuuch! 🙂
Das ist das, wegen dem ich im August so rumgejammert habe (also nicht die Fantasy-Romance, wegen der ich zur Zeit so rumjammere … äh, vielleicht sollte ich mal einfach genießen, dass ich den besten Job der Welt habe … egal!). Was nicht daran liegt, dass das Buch so furchtbar ist. Hab’s gestern zum letzten Mal durchgelesen und es gefällt mir echt gut. Das Problem war, dass es eigentlich als total alberne Komödie geplant war, über zwei Kerle, die beide schlecht im Bett sind, beschließen, sich gegenseitig zu helfen und sich dann verlieben (Surprise!).
Die Handlung ist auch gleich geblieben, aber … na ja, nachdem ich ausgiebig über Impotenz usw. recherchiert hatte, taten mir die beiden total leid. Das ist wirklich belastend für die Betroffenen und außerdem haben Ben und Marek so traurige Backstorys, einen stressigen Nebenjob und kein Selbstbewusstsein und … Irgendwie ist es das melancholischste Buch geworden, das ich je geschrieben habe. Was nicht viel heißt.
Lustige Stellen gibt’s natürlich trotzdem. Ich wollte hier nur eine Warnung da lassen, dass es nicht ganz das lustige Lachfest ist, das man vielleicht erwartet. Ein Happy End hat „Sexy Versager“ natürlich trotzdem.
Als Titel waren „Schlecht im Bett“ oder „Versager“ geplant, aber als ich dem Süßen davon erzählt habe, meinte ich gleich: „Das sind keine Titel, bei denen man das Buch gern anklickt. Viel zu negativ. Das muss sexyer werden.“ Und dann … äh, ja. 🙂 Ich bin ein Marketing-Genie!

Hier ist das erste Kapitel:

1.  Die Abenteuer von Bengalo Stutenknaller

»Junge, jetzt sei doch mal fröhlich.«
»Nein.«
Ben versuchte, mit der rechten Hand das Zigarettenpapier aus der winzigen Box zu ziehen, während er mit der linken sein Handy ans Ohr hielt. Klappte nicht. Also klemmte er das Ding zwischen Schulter und Kopf, eine Haltung, die nicht nur wehtat, sondern auch so wackelig war, dass das Display schon drei Sprünge davongetragen hatte.
Immerhin konnte er so Tabak aus der Packung rupfen. Die blaue Packung mit dem Foto, das er beim ersten Hinsehen für den Arsch einer Kuh gehalten hatte, die gerade furzte. Aber bei genauerer Betrachtung erkannte er es: Das schwarze Loch in der Mitte saß im faltigen Hals eines alten Mannes, nicht in einem Kuhhintern. »Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit«, las er. Und anscheinend verursachte es Halslöcher.
»Junge, hörst du mir überhaupt zu?«
Was?
»Ja klar, Mutti.«
»Nein, tust du nicht.« Sie klang todunglücklich. Wie immer, wenn sie mit ihm sprach. »Und du wirst nie auf mich hören. Du … dir ist ja egal, dass du uns hier zurücklässt. Ganz allein bin ich. Aber das stört den feinen Herrn ja nicht.«
»Wieso allein?«, knurrte Ben. »Andreas und Carolin wohnen doch noch bei euch und …«
»Carolin hat morgen einen Auftritt!« Mit einem Mal war seine Mutter wieder heiter wie ein Sommertag. »Hast du gehört? Im Gemeindehaus, mit der ganzen Truppe. Wir gehen alle hin. Willst du nicht auch kommen? Du hast es ja nicht so weit. Und an Karneval kannst du dir doch frei nehmen.«
»Mutti, bis Kallenbroich brauch ich sechs Stunden. Minimum.«
»Du hättest ja nicht so weit wegziehen brauchen«, zischte sie. »Du hattest doch alles hier: deine Eltern, deine Geschwister, deine Freunde … na, Freunde nicht, aber wenigstens Bekannte. Hättest nur ein bisschen glücklicher sein müssen, dann hättest du dich auch wohler gefühlt …«
Bens Gedanken schweiften ab. Er wusste eh, was jetzt kam: Ein Vortrag darüber, was für eine dumme Idee es gewesen war, nach Hamburg zu ziehen. Dass in der Heimat alles besser war. Dass er verdammt nochmal endlich ein bisschen lachen sollte, weil seine Mutter nicht glücklich sein konnte, wenn eines ihrer Kinder unglücklich war.
Er wusste ja auch nicht, was mit ihm nicht stimmte. Resigniert zündete er die schief gedrehte, murkelige Zigarette an und betrachtete sich in den beiden ausgeschalteten Bildschirmen: zu mager, zu mürrisch, zu blass. Die schwarzen Haare waren ungeschnitten und der graue Pullover hing von seinen knochigen Schultern wie ein leerer Mehlsack. Immerhin war er jung, was ihm in Hamburg ein paar Dates eingebracht hatte. Aber sobald die Kerle herausfanden, was er sonst noch für Probleme hatte, meldeten die sich auch kein zweites Mal.
Ben seufzte und nahm einen tiefen Zug. Wenn er aussehen würde wie dieser dämliche Marek aus seinem Studiengang würden sich die Männer um ihn reißen, das war klar. Nur wollte er nicht aussehen wie der. Wie ein geleckter Anwaltssohn oder so. Immer gebügelt und geschniegelt und …
»… weiß auch nicht, was mit dir los ist, Junge«, sagte seine Mutter gerade. Ihre Stimme wurde immer schriller. »Du machst das doch mit Absicht! Du … du willst mich doch unglücklich machen!«
»Will ich nicht, Mutti«, murmelte Ben. »Mach ich nur irgendwie.«
»Ach, hör doch auf! Wenn du dir einmal Mühe geben würdest … Wenn du einmal versuchen würdest, ein glücklicher Mensch zu sein und die Sonne in dein Herz zu lassen …« Sie wurde poetisch, ein sicheres Zeichen dafür, dass das Gespräch gleich beendet sein würde. Ben wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Also rauchte er. »Ach, du hörst ja doch nicht. Du willst gar nicht hören! Ich … ich lege jetzt auf.«
»Mach’s gut, Mutti.«
Ben hörte ein Klicken und fühlte sich ungefähr fünfhundert Kilo schwerer. Dabei wog er nicht mal siebzig. Bei starkem Wind hatte er Probleme, sich auf dem Bürgersteig zu halten und Hamburg war verdammt windig.
Aber das sonntägliche Telefonat mit seiner Mutter hatte immer diese Wirkung auf ihn. Diese beschwerende Wirkung. Als wären ihre Worte Blei, die durch sein Ohr krochen und sich in seiner Brust festsetzten. Mist, jetzt wurde er poetisch. Das konnte kein gutes Zeichen sein.
Ben erhob sich von seinem Schreibtischstuhl. Verlangend sah er auf die ausgeschalteten Bildschirme. War noch Zeit … Nein, war nicht. Er musste los, zur Arbeit. Sonntagszulage und so. Jetzt, wo die Klausurphase vorbei war, musste er sich um seine Finanzen kümmern. Seine wirklich sehr trostlosen Finanzen.
»Benni!« Nora klopfte an die Tür, die er wohlweislich abgeschlossen hatte. »Benniii!«
Aus dem Klopfen wurde ein Hämmern. Er drehte den Schlüssel im Schloss und riss die Tür auf.
»Was?«, blaffte er.
»Benniii!« Seine Mitbewohnerin strahlte ihn an. In ihren perfekt manikürten Händen hielt sie ein DVD-Cover. »Heute Filmabend? Bitteee!«
Ben sah auf das Cover. »Ein Mann zum Wegwerfen«, las er. Vorne drauf eine strahlende Blondine und ein verwirrt guckender Kerl mit dunklen Haaren.
»Ist das wieder so eine romantische Komödie?«
»Ja, klar«, schrillte sie. »Was ist? Filmabend? Nur ich und mein schwuler bester Freund.«
»Ich muss arbeiten.« Ben marschierte an ihr vorbei, ihre Proteste überhörend.
Schwuler bester Freund. Von wegen. Aus irgendeinem Grund glaubte sie, er hätte Interesse daran, mit ihr Mädchenfilme zu gucken und dabei rosa Marshmallow-Kekse zu futtern. Eine grobe Fehleinschätzung. Na ja, so hatte er wenigstens ein WG-Zimmer bekommen.
»Aber Benni, du arbeitest viel zu viel. Du musst mal entspannen.« Sie lachte.
»Keine Zeit«, knurrte er. »Muss die Miete zahlen. Essen kaufen. Überleben und so.«
»Aber du musst doch … Oh, übrigens, hattest du mal wieder ein Date?« Sie zwinkerte und wackelte aus irgendeinem Grund mit den Hüften.
»Nein.«
Fast hätte er es aus der Tür geschafft, als Rudi vor ihm auftauchte.
»Kein Date?« Rudis speckiges Gesicht verwandelte sich in eine lachende Buddha-Fratze. »Kein Problem, Dr. Love kann dir helfen. Gib mal her.«
Schon hatte er sich Bens Handy geschnappt, das er immer noch in der Hand hielt. Dr. Love?
»Wie heißt diese Dating-App nochmal? Weißt du, das Wichtigste ist ein guter Name. Du heißt da bestimmt nur Ben oder so … aber du brauchst einen richtigen Hammer-Namen. He, Hammer wäre schön mal gut. Hammerhengst oder Mr. Schwanzlurch oder … Ich hab’s! Stutenknaller.«
»Gib das her!« Ben riss ihm sein Handy aus den Pfoten. »Ich muss zur Arbeit. Wenn ihr euch so für Dates interessiert, dann versucht doch mal selbst welche zu kriegen.«
»Ich … ich hab Dates«, sagte Nora. Ihr Ausdruck schwankte zwischen verwirrt und traurig. Ben wusste, dass er nicht weiterreden sollte, aber er konnte sich nicht zurückhalten.
»Ja, super. Aber mit was für Typen? Der Letzte hat unsere Kaffeemaschine mitgehen lassen, verdammt. Und der davor hatte eine Frau, zwei Kinder UND noch eine Geliebte. Denk vielleicht einmal nach, bevor du einfach den Erstbesten von der Straße hereinschleppst.«
»Aber …« Sie verstummte.
Rudi war eh ruhig. In dem halben Jahr, in dem sie zusammenwohnten, hatte Ben ihn weder mit einer Frau noch mit einem Mann gesehen. Ben hatte keine Ahnung, worauf Rudi eigentlich stand. Darauf, sich in seins und Noras Liebesleben einzumischen anscheinend.
»Und jetzt lasst mich in Ruhe, ihr Nervensägen!« Ben warf die Tür hinter sich zu.
Warum zur Hölle griffen die beiden ständig in sein Leben ein? Nora mit ihren romantischen Filmabenden, zu denen sie immer nur ihn einlud und nie Rudi, »weil der nichts davon versteht. Nicht wie wir beide.«.
Und Rudi, der zu jedem Thema alles besser wusste. Letztens hatte er Ben eine Viertelstunde lang mit Diättipps zugeschwallt, obwohl Ben nicht zu dick, sondern viel zu mager war und Rudi selbst fast seine XXL-Hemden sprengte. Und zwar nicht aufgrund seiner Muskelmasse.
Ben trat auf die dreckige Straße hinaus und hatte mit einem Mal ein schlechtes Gewissen. Ein schrottreifes Auto tuckerte vorbei. Der Wind trieb eine schmierige Plastiktüte vor seine schwarzen Stiefel und die Jugendlichen, die an der Bushaltestelle herumlungerten, warfen ihm abschätzige Blicke zu.
Hatte er seine Mitbewohner beleidigt? Klar waren die komisch, aber … das war er ja auch. Und er fühlte sich eh ständig wie ein Spinner. Also warum warf er anderen Leuten vor, dass sie sich seltsam benahmen?
Er würde mit Nora diesen blöden Film schauen. Demnächst. Ganz bestimmt. Vielleicht. Doch, würde er. Egal, wie tränenreich sie seufzte, sobald der depperte Held zum Flughafen losrannte, um seine Geliebte aufzuhalten … Konnte er Rudi irgendwie dazu bringen, das Elend mit ihm zu teilen?
Ben knurrte leise, dann öffnete er GaymeboysHamburg, die Dating-App, durch die er den letzten katastrophalen Kerl kennengelernt hatte. Nach kurzem Zögern änderte er seinen Namen in »Bengalo Stutenknaller«.
»Warum auch nicht«, murmelte er.
Knapp wich er einem senffarbenen Haufen Hundescheiße aus. Das hatte er schnell gelernt, als er hergezogen war. Wenn er jetzt noch lernte, mit dem Dreck, dem Lärm, der Kälte, den unfreundlichen Leuten und dem immer bewölkten Himmel klarzukommen, war alles gut.
Dann geh doch zurück nach Kallenbroich, flüsterte eine Stimme in seinem Hinterkopf. Da hattest du das alles nicht und fandest es trotzdem scheiße. Wahrscheinlich hat Mutti recht und du willst einfach unglücklich sein.
Wollte er das? Seit Jahren war er entweder frustriert oder wütend. Er hatte gehofft, dass sich etwas ändern würde, wenn er nach Hamburg zog. In eine richtige Großstadt. Endlich ein Studium beginnen, weg von zuhause, hier, wo ihn keiner kannte. Endlich nicht mehr verheimlichen, dass er auf Männer stand, so, wie er das in der Heimat getan hatte. Nicht, dass ihm das irgendwelche Probleme erspart hätte.
Na, schmeckt’s, du Freak?, hörte er eine zweite Stimme in seinem Kopf. Dennis Alfred. Sein geliebter Klassenkamerad, der ihm den Arm verdreht und ihn gezwungen hatte, Schafsköttel zu essen. Mehrfach. Von der siebten bis zur neunten Klasse. Und alle Freunde von Dennis hatten zugeschaut und gelacht.
Mit einem Mal kam ihm die graue Straße unter dem grauen Himmel gar nicht mehr so trüb vor. Im Vergleich zu Dennis Alfred war alles harmlos. Selbst diese zugeschissene, unfreundliche Stadt.
Niemand hatte ihm geglaubt, dass Dennis ihn quälte. Niemand glaubte dem seltsamen mageren Bürschchen, das nicht Fußball spielen konnte. Nicht mal die eigenen Eltern.
Dennis Alfred konnte Fußball spielen. Und Weiber flachlegen und Leuten, die am Boden lagen, noch Kies ins Gesicht kicken. Alles Eigenschaften, die einen in Kallenbroich zum King machten.
Na, Ben hatte ja einen Weg gefunden, sich zu wehren. Auch, wenn ihn das noch mehr zum Außenseiter gemacht hatte. Selbst jetzt, nach einem halben Jahr Hamburg, trug er immer mindestens eine seiner Geheimwaffen mit sich herum. Gut verpackt, aber erreichbar, in seiner abgewetzten, schäbigen Schultertasche.
Er nahm die S-Bahn in Richtung Pinneberg, sank in seinem Sitz zurück und ließ die fahle Landschaft an sich vorbeiziehen. Am Horizont sah er riesige Kräne, still, wie erstarrte Monster, die auf ihrem Vormarsch in die Stadt versteinert worden waren.
In Hammerbrook stieg er aus, zusammen mit einer Masse gebeugt laufender Menschen jeden Alters. Warum sahen die alle so verbittert aus? Heute war doch Sonntag, da hatten normale Menschen frei. Nur Ben nicht.
Er verließ das Bahnhofsgebäude mit der hässlichen Schalenverkleidung, nur um sich unter der noch hässlicheren Beton-Eisenbahnbrücke wiederzufinden. Drei Straßen und drei Minuten bis zur Arbeit. Zwei. Eine.

»Du bist zu spät«, begrüßte Jördis ihn, als er seine Tasche fallen ließ und sich auf den Schreibtischstuhl warf.
Wortlos loggte er sich ein und setzte sein Headset auf.
»Die merken das.« Jördis war nervös wie eine gefangene Spitzmaus. »Die können das sehen. Sie erfassen die Zeit.«
»Sind doch nur zwei Minuten«, brummte er und stützte sich auf der grauen Plastikplatte ab, die ihm als Schreibtisch diente.
Viel zu klein, kaum Platz für seinen Collegeblock und den Roman, den er zwischen den Anrufen las. Die Tische im Online-Sekretariat standen in Dreiergruppen zusammen. Sie nannten die Gruppen »Stationen«.
An jeder Station war Platz für drei Mitarbeiter, die dort telefonierten, oder vielmehr versuchten, wütende Kunden zu beruhigen. Elf Stationen ragten aus dem Teppichboden, wie Felsen aus einem bleigrauen Meer. Dreiunddreißig Mitarbeiter hätten in diesen Raum gepasst. Viel zu viele Menschen.
Glücklicherweise war heute Sonntag und es war ziemlich leer. Ben mochte Ruhe. Und die Wochenendzulage. Und die Nachtzulage, die er nachher auch einstreichen würde. Es dämmerte bereits.
»Sie könnten dich feuern«, flüsterte Jördis.
»Ist doch eh ein Scheißjob«, murrte Ben. »Wie viele haben heute schon geheult?«
»Nur zwei«, sagte Jördis. »Emily und … und ich. So ein Typ, der zu FitnessBuddys Porz wollte. Der war … der war ziemlich gemein. Der hat mich zu blöd zum Leben genannt und ein hohles Miststück.«
»Ach, scheiße.« Ben wusste nie, wie er Mitleid ausdrücken sollte. Er überlegte, ihr den Rücken zu tätscheln. Aber wer wollte schon von ihm getätschelt werden?
»Nicht so schlimm«. Eine offensichtliche Lüge. Sie schaffte es nicht mal, zu lächeln. »Dafür haben wir einen neuen Kollegen.« Sie senkte ihre Stimme. »Einen süßen neuen Kollegen. Da hinten, bei Anike und Bärbel.«
Ben sah sich um.
Kacke.
Nicht der, schrie er innerlich. Nicht dieser schmierige Schleimer!
Marek Kucera saß ganz hinten, strahlend schön und glattpoliert wie ein Kiesel. Und glücklicherweise halb verborgen von einer Trennwand, wegen der Ben ihn nicht direkt entdeckt hatte. Bärbel, ihre Supervisorin, erklärte ihm gerade etwas. Im Flüsterton, mit glänzenden Augen. Natürlich.
Alle Mädels flogen auf Marek Kucera. Diesen Sack. Aber das war es nicht, was Ben an ihm störte. Er hasste ihn, weil er wie die hübschere Ausgabe von Dennis Alfred aussah. Und, weil er genau den gleichen miesen Charakter hatte. Und, weil er überall beliebt war und weil er Ben gleich am ersten Tag als Bauer beschimpft hatte.
Gerade, als Ben noch Hoffnungen gehabt hatte, dass in Hamburg alles anders werden würde, lief ihm dieser Spacko über den Weg. Am ersten Tag des ersten Semesters des Chemiestudiums, als sie alle auf den Stufen vor der Uni gesessen hatten, um sich kennenzulernen. Ben war furchtbar schlecht darin, Leute kennenzulernen. Er hatte während des ersten Semesters nicht eine Freundschaft geschlossen. Marek dafür hundert. Mindestens.
Er beobachtete Marek. Beobachtete, wie er der Supervisorin aufmerksam zuhörte, nickte, seine weißen Zähne blitzen ließ. Dieses reiche Söhnchen. Was machte der hier? Musste er etwa Geld verdienen? Seine Eltern steckten ihm doch bestimmt alles in den Arsch, oder?
Am liebsten hätte er ihn danach gefragt. Aber schon kam ein Anruf durch und Ben musste sein Sprüchlein aufsagen.

 

Falls du nach diesen deprimierenden Zeilen noch nicht heulend in der Ecke kauerst, schau dir die ganze Leseprobe bei amazon an. 🙂

Wordcount, Lieblingsstelle usw. gibt’s gegen Abend, falls ich noch daran denke. Jetzt wird geschrieben! Lindwürmer ahoi!

 

*** Nachtrag: Hm, gab keine Lindwürmer. Nur Romantik. Na, auch ganz nett. 😀 ***
Heutiger Wordcount: 2.307 Wörter in 1,5 Stunden
Wordcount »Prinzgemahl« (Arbeitstitel) insgesamt: 47.688 Wörter

Der Wordcount haut keinen vom Hocker, aber die Zeit … Ich habe knallhart nach der Pomodoro-Methode geschrieben, immer 25 Minuten ohne abzusetzen. Vielleicht schaff ich das ja mal länger. Morgen oder so.

Lieblingsstelle heute:
Solan hörte ein Lachen, als er Nats Griff knapp entkam und merkte, dass es seins war. Entsetzlich!

Geblogge

Dafür, dass das Buch so deprimierend anfing, ist das Ende zuckersüß. 🙂 Okay, das Schicksal eines Charakters (Manuela) ist nicht geklärt, vielleicht muss ich morgen beim Überarbeiten noch einen Mini-Epilog anfügen. Und es gab erstaunlich wenig Drama am Ende. Kein Gewitter, keine Explosion (gab eine, aber die kam früher), kein Sturz, kein Ertrinken, kein Schusswechsel …
Mal schauen, was die Leser davon halten. Ich habe bisher von niemandem gehört, dass er meine Bücher wegen der dramatischen Action-Szenen liest. Andererseits … Drama und Konflikt gibt’s nie genug. Nie!
Eine weitere wichtige Neuigkeit: Ich habe die perfekte Kaffeetasse.

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Endlich ist meine Profi-Ausstattung komplett!

Heutiger Wordcount: 3.159 Wörter in 4 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 54.592 Wörter

Lieblingsstelle heute:
»Hast du das schon mal gemacht?«, fragte Ben. »Jemandem gesagt, dass du ihn lie… magst?«
Rudi sah ihn lächelnd an. Langsam, fast unmerklich, glitt ihm das Lächeln aus den Zügen, erst behäbig, dann rasend schnell, bis er schließlich traurig und ertappt vor Ben saß.
»Nein«, murmelte er. »Hatte nie … Hatte noch keine Gelegenheit dazu.«
»Was? Und du gibst mir Tipps?« Ben konnte es nicht fassen. »Du … Theoretiker!«

Geblogge

So, erholt in den Tag gestartet, viel geschrieben, zwischendurch Kaffee und Kuchen mit einer lieben Freundin … wundervoll. 🙂 Ich habe meine Ansprüche heruntergeschraubt. Das Buch braucht noch einen bis zwei Tage und jetzt, auf den letzten Metern, gefällt es mir richtig gut.

Heutiger Wordcount: 4.568 Wörter in 5 oder 6 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 51.433 Wörter

Lieblingsstelle heute:
Ben sprach die Worte aus, wie man ein Pflaster abreißt. Schnell und beißend schmerzhaft.
»Am Besten ziehst du heute aus.«

Geblogge

Ich habe dieses Schreibtagebuch hauptsächlich, um später nachvollziehen zu können, was ich da eigentlich gemacht habe. Wie gesagt, lerne ich ständig wichtige Lektionen und vergesse sie prompt wieder, nur, um sie einen Monat später wieder zu lernen. Mit jedem verdammten Buch … Die wichtigste Regel ist also, ehrlich zu sein. Egal, ob’s weh tut.
Ich habe die letzten beiden Tage nichts geschrieben. Kein einziges Wort. Irgendwann am Mittwoch, als ich mich durch das Schreiben und überhaupt durch den Tag quälte, ohne wirklich etwas hinzukriegen, habe ich nämlich kapiert, was los war. Mein alter Feind war mal wieder im Anmarsch. Der Burnout. Wieder so eine Sache, die ich immer und immer wieder „lerne“. Wenn ich nicht mehr schlafen kann, wenn ich ständig um vier Uhr morgens aufwache und es unmöglich ist, wieder einzuschlafen und wenn ich durch den Tag schleiche wie ein Zombie, ist es wieder so weit. Wobei ich durchaus etwas lerne: Ich merke immer früher, auf was ich da zusteuere. Letztes Jahr habe ich erst nach einer fast schlaflosen Woche gemerkt, was da läuft.
Na ja, nachdem es mich vor zehn Jahren mal richtig hart erwischt hat, werde ich tatsächlich immer besser darin, die Zeichen zu erkennen. Ich habe also die letzten beiden Tage nur gemütlich überarbeitet und zwar daheim auf dem Sofa. Eigentlich ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es mal wieder soweit ist: Direkt vom Job (mit Nebenjob Schreiben) in die Vollzeit-Schreiberei (mit Nebenjob Illustration) zu starten, schlaucht halt. Ich habe mir dazwischen keine Pause gegönnt, aus Angst, den normalen Tagesrhytmus zu verlieren. Die nächsten Wochen lasse ich es also ruhiger angehen. Und wenn das nicht reicht, mache ich ein paar Tage Pause. Gut, dass ich für den September schon einen Urlaub gebucht habe. Ich kann’s kaum erwarten. 🙂

Einer von den coolen Gamern aus dem Büro nebenan meinte übrigens, ich könnte das Schreibtagebuch auch DevLog nennen … irgendwie gefällt mir der Gedanke. 🙂

Heutiger Wordcount: 0 Wörter in 0 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 46.865 Wörter

Geblogge

So, äh, das Finale ist eingeleitet, die Charaktere sind auf dem besten Weg in die Katastrophe/das Happy End und ich bin total fertig von der ganzen Aufregung. 🙂 So muss das sein! Schätze, in zwei Tagen bin ich fertig.

Heutiger Wordcount: 3.079 Wörter in 4 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 46.865 Wörter

Lieblingsstelle heute:
Ben hob fröstelnd die Schultern und versenkte den Kopf bis zur Nasenspitze in seinem Schal. Sofort wollte Marek zu ihm laufen und ihn wärmen. Aber das verkniff er sich.

Geblogge

Mist, schon wieder ein Buch fast durch. Immer, wenn’s am Schönsten ist. Schätze mal, Freitag bin ich fertig mit der Rohfassung, genau an dem Tag, den ich geplant hatte. Lustig, wie oft das so läuft. Als würde das Unterbewusstsein mitarbeiten … tut’s wahrscheinlich auch.
Gestern Abend wollte ich eigentlich etwas Vernünftiges machen, bin aber an einer Seite hängengeblieben, die alte Bravo-Fotoromane analysiert. Wunderschön war’s.

Heutiger Wordcount: 3.272 Wörter in 4 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 43.712 Wörter

Lieblingsstelle heute:
Das ganze Frühstück über wurden sie nicht verhaftet.

Geblogge

Das Wochenende war erholsam. Ich habe »Geisterküsse« zu Ende gelesen (wunderschön!) und ein Weinfest besucht. Soweit alles super.
Das Schreiben ging leichter als am Freitag. Vielleicht, weil mir wieder eingefallen ist, dass ich das alles aus Spaß mache und nicht, weil mich böse Mächte dazu zwingen. Schreiben ist doch schön, zur Hölle! Das Lustigste überhaupt. Klar, ich muss damit Geld verdienen, aber bisher tu ich das ja auch. Und was in einem Jahr ist, weiß eh keiner.
Ich habe mich heute richtig dankbar gefühlt. Es kam nämlich der letzte Teil der großen Selfpublishing-Studie heraus. Und anscheinend ist das größte Problem der meisten Selfpublisher, dass sie wahnsinnig viel Marketing betreiben müssen, um gesehen zu werden. Das Problem habe ich nicht. Ich werde zwar nicht reich, aber in meiner kleinen Gay Romance-Nische sind meine Bücher äußerst sichtbar.
Früher dachte ich noch, das wäre einfach so, wenn man »Gay Romance« auf ein Buch schreibt. Dass es in der Sparte zu wenig Bücher gibt und Leute selbst Bücher von (oh Graus!) mir  kaufen müssen, wenn sie Lesefutter wollen. Als Anfängerin konnte ich es mir anders nicht erklären. Aber inzwischen weiß ich, dass ich eine Menge Glück gehabt habe. Eine Riesenmenge.
Irgendwie habe ich Leser gefunden, die meine Bücher lieben. Selbst meine kruden Frühwerke und selbst meine fragwürdigsten Ideen. Gut, nicht alle mögen alles von mir (manchmal sogar gar nichts), aber das ist in Ordnung. Meine eigenen Lieblingsautoren haben auch Aussetzer. Oder das, was ich dafür halte, und was vermutlich wichtige Schritte in ihrer Entwicklung waren. Passt doch alles.
Und auch wenn es mir wehtut, Ben zu schreiben, weil der zu sehr wie ich ist: Ich werde ihn vermissen, sobald ich das neue Buch beende. Und ich fürchte, diese Woche ist es so weit.

Heutiger Wordcount: 3.504 Wörter in 4 Stunden
Wordcount »Schlecht im Bett« (Arbeitstitel) insgesamt: 40.440 Wörter

Lieblingsstelle heute:
Er wartete, bis sie tief im Wald verschwunden waren. Bis die Fichten so viel Licht schluckten, dass sie durch ein stetiges Wechselspiel aus Hell und Dunkel liefen und ihre Schritte von einem Bett aus alten Nadeln gedämpft wurden.
»Ben?«, fragte Marek. Sein Herz klopfte in seiner Kehle.
»Hm?«, brummte Ben unwillig.
»Ist dir kalt?«
»Scheißkalt.«