Neuer Roman: „Das Mondmal“ + Leseprobe

Es geht wieder los! 😀 Aber heute ist mein neuer Roman „Das Mondmal“ auf Amazon vorbestellbar. Und am 10. Januar erscheint er.

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: „Das Mondmal“ ist nämlich Teil 1 einer Reihe, die ich mit meinen uferlosen Kolleginnen geschrieben habe. Tanjas „Flammensturm“ ist Band 2 und Band 3 … wird noch nicht verraten. Aber bald darf ich hoffentlich mehr sagen.

Da Amazon noch keinen Blick ins Buch erlaubt, ist hier eine Leseprobe: Kapitel Eins, in dem wir den charmanten Ridley Zukal kennenlernen. Der, damit wir ihn direkt ins Herz schließen, erst mal ein Boot klaut, rumhurt und sich prügelt. Ridley! Lass das!

Ein angenehmer Morgen

Ridley wettete auf sich selbst und gewann. Wie immer. Na gut, ab und zu verlor er auch, aber das kam so selten vor, dass er es großzügig vergaß.
»Ich bin der Größte!«, brüllte er und riss seinen biergefüllten Pokal hoch. Schaum schwappte auf die Bodenbretter und vermischte sich mit dem Blut, das aus seiner geplatzten Unterlippe tropfte.
»Zukal!«, schallte es ihm entgegen. Die Menge war so dicht gedrängt, dass er das Ende der Halle kaum sah. Dutzende schmutziger Hände rissen an den Gittern des Käfigs und brachten das ganze Ding zum Klappern und Summen. Sie schüttelten warme Tropfen von den Stäben an der Decke, die seine nackten Arme trafen. Und die reglose Gestalt seines Gegners, der mit dem Gesicht voran auf dem Boden lag.
Ridley grinste noch einmal in die Runde, dann verschwand er durch die Klappe, die Minos, der Türsteher, ihm aufhielt. Der klopfte Ridley knapp auf die Schulter. Ridley erwiderte die Geste, dann verschluckte die Menge ihn.
»Ich hab 200 Gulden gewonnen!«, kreischte ihm jemand ins Ohr. »200! Ich hab gewusst, dass ich auf dich wetten muss! Du bist der Hammer, Mann!«
»Wahnsinn! Wie du ihm die Faust durch die Fresse gezogen hast!« Ein zahnlückiges Lachen. Die Frau war höchstens einundzwanzig. »Wahnsinn!«
»Zukal!« Ein hübscher Braunhaariger warf sich in seine Arme. Ridley kannte ihn. »Guter Kampf.«
»Danke.« Ridley packte den Hinterkopf des Kerls und steckte ihm seine Zunge in den Hals. Er schmeckte Rum, Schweiß und schweren Wein. Lecker. Jetzt wusste er wieder, woher sie sich kannten. Sie waren schon einmal übereinander hergefallen, als er vor ein paar Wochen Ragan Rotauge besiegt hatte. Sah aus, als würden sie das heute Abend wiederholen.
Sie wiederholten es. Lange.

Als Ridley aus der abblätternden Haustür des Braunhaarigen trat, dämmerte es bereits. Farben schälten sich aus dem Grau und die Halbmondstadt schien sich blinzelnd die Augen zu reiben. Noch war niemand auf der Straße. Pfeifend richtete Ridley sein ärmelloses Hemd und ging durch die schmale Gasse. Über ihm neigten sich die hohen Fassaden einander zu, als wollten die Dachrinnen sich küssen. Es stank nach Algen, aber das tat es hier immer. Die Halbmondstadt war auf Wasser gebaut. Man konnte kaum einen Stein werfen, ohne dass der im graugrünen Wasser eines der Kanäle versank.
»Ein weiterer erfolgreicher Arbeitstag für Zukal den Zerstörer!«, rief Ridley Dreck und Pflastersteinen zu.
Das Gewicht der Münzen wog schwer an seinem Gürtel. Ja, seine Börse war reichlich gefüllt. Sieben zu eins hatten die Wetten gestanden. Nur, weil sein Gegner drei Fingerbreit größer gewesen war als er. Auf die Größe kam es nicht an. Außerdem war Ridley verdammt groß. Er hielt an einer der moosüberwucherten Brücken, um ins Wasser zu schauen. Im trüben Dämmerlicht sah er nicht viel, aber er erahnte in den dunklen Schemen sein Gesicht. Soweit er das beurteilen konnte, sah er fantastisch aus, trotz der geplatzten Lippe. Mehr als fantastisch. Dieser Kerl von vorhin, der hatte kaum aufhören können, seine muskelbepackten Arme zu betatschen und ihm zu erklären, wie heiß er war. Der hatte seinen Namen noch lauter geschrien als die Menge vorhin, als Ridley ihn gestoßen hatte.
Zufrieden ging er weiter.
»Zukal!« Eine röhrende Stimme hallte durch die enge Gasse. Ridley stoppte abrupt. Drei Männer und eine Frau traten aus dem Schatten eines Hauseingangs. Ein Wunder, dass er die Frau nicht vorher gerochen hatte. Sie stank nach altem Bier und noch älterem Schweiß. Alkohol hatte sich in ihr Gesicht gefressen und es in ein rotes Kraterfeld verwandelt. Die drei Kerle, vielleicht ihre Söhne, sahen kräftiger aus. Tumb und breitschultrig, aber das war es nicht, was ihm Sorgen machte. Das waren die Messer, die in ihren Händen blitzten.
»Hallo, schön euch zu sehen«, sagte Ridley strahlend und rannte weg. Genau in einen vierten Mann hinein, der noch schlimmer roch als die Frau. Feucht-fischige Haut traf auf Ridleys Nase, die ohnehin schon vom Kampf lädiert war.
Er hielt sich nicht mit Fragen auf. Es war klar, dass die Fünf ihm schaden wollten. Instinktiv ließ er sich fallen, gerade rechtzeitig, um nicht vom Messer des vierten Mannes skalpiert zu werden. Er packte den Kerl am Knie und riss es nach vorn. Sein Gegner knickte ein und Ridley hatte freie Bahn. Er nutzte seine Chance.
Blitzschnell sprintete er zurück, über die Brücke, von der er eben noch sein Spiegelbild bewundert hatte. Mist, die Pflastersteine waren rutschig. Fast hätte er sich am Ende der Brücke auf die Fresse gelegt. Oder lag es an dem Alkohol, der immer noch durch seine Blutbahnen rauschte? Nach dem fünften vollen Pokal hätte er eventuell aufhören sollen.
Wohin? Am besten einfach weiter. So fertig wie die Alte aussah, würde zumindest sie nicht mithalten können. Und die Männer hatten auch nicht gerade leichtfüßig gewirkt. Trottel. Er hätte fast gelacht … aber dann wäre er in den Mehlwagen gerannt, der genau in diesem Moment um die Ecke bog. Der Kutscher sowie der Esel, der das wackelige Gefährt zog, sahen ihn entsetzt an. Keine Zeit, anzuhalten. Ridley fluchte. Er packte den oberen Rand der Kutsche, setzte einen Fuß auf das metallbeschlagene Rad und hechtete über die prall gefüllten Leinensäcke. Im Aufkommen stolperte er und rollte sich über die Pflastersteine ab.
»Scheiße«, murmelte er, als er sich hochrappelte. Konzentration. Sein biervernebelter Kopf durfte ihm nicht zum Verhängnis werden. Einen Würgreiz unterdrückend strauchelte er weiter. Seine Schritte hallten von den Wänden der schmalen Gasse wider. Hinter ihm erklang ein dumpfes Geräusch.
Weiterlaufen, dachte Ridley und drehte sich trotzdem um. Weiße Schwaden verbargen den Mehlwagen und krochen auf ihn zu. Seine Verfolger hatten den gleichen Weg wie er genommen und dabei anscheinend einen Mehlsack zum Platzen gebracht. Gut. So war er einen Moment lang vor ihren Blicken verborgen. Noch besser: Rechts von ihm tat sich ein Hofeingang auf. Er warf sich herum und verschwand darin.
Kaputte Fässer türmten sich in dem finsteren Hinterhof auf. Er war klein und quadratisch und die Mauern so feucht, dass sie schimmelten. Von ihrer ehemals roten Farbe waren nur noch vereinzelte Flöckchen übrig. Links und rechts von ihm ragten Hauswände auf, vor ihm eine hohe Mauer. Und dahinter … Er hörte das träge Schlappen des Wassers. Ein Kanal. Der modrige Geruch der Algen war unverkennbar. Er hatte keine Lust, sich in die widerliche Brühe zu stürzen. Vermutlich war die eh so dick, dass er absaufen würde. Na ja, musste er auch nicht. Die schnellen Schritte, die aus der Gasse erklangen, wurden lauter und rauschten an dem Hofeingang vorbei. Ridley schüttelte den Kopf.
Trottel, dachte er mal wieder.
»Warte!«, erklang eine Stimme aus der Gasse. »Ich glaube, er ist da rein.«
Oh.
Schritte näherten sich. Weniger Füße. Sie schienen sich aufgeteilt zu haben. Ridley sah sich nach einem Versteck um, aber der Hof war zu eng und die Fässer zu kaputt. Keins davon hätte ihn verborgen. Seufzend drehte er sich um. Ein zahnlückiges Lächeln erwartete ihn.
»Da bist du, du Scheißbetrüger.« Der Kerl sah aus wie ein versoffener Zuchtbulle. Der andere, der sich in den engen Hof schob, ebenfalls. Vermutlich waren sie Brüder.
»Hallo.« Ridley lächelte charmant. »Schön, dass ihr mich gefunden habt. Wollt ihr mir jetzt erklären, was euer Problem ist?«
»Unser Problem ist, dass du ein Scheißbetrüger bist«, schnarrte der Zuchtbulle. Sein Bruder nickte.
»Ich. Ein Betrüger.« Ridley schnaubte. »Das hab ich doch gar nicht nötig. Lasst mich raten: Ihr habt bei dem Kampf vorhin einen Batzen Gulden in den Sand gesetzt, weil ihr nicht auf mich gewettet habt. Lasst euch das eine Lehre sein. Ich gewinne immer.«
»Ein Scheißbetrüger bist du!«, bellte der Zuchtbulle. »Du hattest doch keine Chance gegen Steve den Schlächter! Meinst du, wir merken das nicht?«
»Ich glaube, ihr merkt so einiges nicht.« Ridley roch das widerliche Wasser hinter der Mauer und seufzte innerlich. Hätten sie keine Messer gehabt, hätte er sich auf einen Kampf eingelassen. Obwohl … »Ach, was soll’s?«, murmelte er.
Kaum hatte er einen Schritt gemacht, tauchten die anderen beiden Männer auf. Vergölzt! Ridley fuhr herum. Er packte die nächstbeste Tonne und warf sie auf die Vier. Mit einem feuchten Knall zerschellte sie. Er machte sich nicht die Mühe,