Neues Buch! „Das Monster im 5. Stock“

Es gibt was Neues! Endlich! Den Bayern, a.k.a. den Schönen und das Biest und das Weißwurstfrühstück oder auch „Das Monster im 5. Stock“. Es geht um Wastls (ja, »Wastls«) Abenteuer in München. Klingt klamaukig-lustig, ist es auch … meistens. Wie mir meine Testleser bestätigt haben, fließen ein paar Tränen. Wastl trifft nämlich auf Adrian und der ist eine ganze Ecke düsterer und verschlossener als mein bayerischer Sonnenschein. Okay, das ist fast jeder. Mit Wastls Optimismus kann es höchstens noch Sunny aus »Sonnengeküsst« aufnehmen.


Falls du ihn kennenlernen magst, hätte ich hier einen schicken Klappentext:

Endlich in München! Jetzt braucht Wastl nur noch eine Wohnung und dann kann er sich auf die Suche nach der großen Liebe machen. Der größten! Leider findet er keine Wohnung. Nach unzähligen Besichtigungen landet er versehentlich im Luxusappartement von Adrian, den ein düsteres Geheimnis umgibt.

Was macht das naive Landei mit dem furchtbaren Dialekt in seiner Wohnung? Adrian will seine Ruhe! Und weiter einsam leiden, so, wie er es verdient. Doch Wastl umgarnt ihn mit grauenvollen Gerichten und seinem strahlenden Lächeln, und mit jedem Tag, der vergeht, stiehlt er sich mehr in Adrians Herz …

Diesmal startet das E-Book gleichzeitig auf fast allen Plattformen:
Auf Amazon!
Auf thalia.de!
Auf hugendubel.de!
Auf weltbild.de!
Und allen anderen!

KU kommt später, weil das nicht gleichzeitig mit allem, was nicht Amazon ist, geht. Hier ist ein Blogbeitrag dazu, für alle, die es interessiert: https://www.reginamars.de/amazon-tolino-und-ku-und-eine-sehr-komplexe-veroeffentlichungsstrategie/

Und am Print sitze ich gerade.

Viel Spaß beim Lesen!

Amazon, Tolino und KU (und eine sehr komplexe Veröffentlichungsstrategie)

Der folgende Text ist vermutlich nur für Selfpublishing-Nerds wie mich interessant. Und die Leser, die sich fragen, warum sie mein neues Buch noch nicht über KU lesen können. Und die Tolino-Leser, die plötzlich genau so schnell bedient werden wie die Amazon-Leser.

Also … Wo fange ich an?

Wenn ich bei Amazons Selfpublishing-Plattform kdp (kindle direct publishing) veröffentliche, habe ich die Möglichkeit, das Buch auch über indle unlimited (KU) anzubieten. Das ist eine Lese-Flatrate, über die man für 9,99 im Monat so viele E-Books lesen kann, wie man will. Und das wird genutzt. Die Hälfte meiner Leser liest über KU. Klingt super, oder? Ist es auch.

Es gibt nur zwei Nachteile:

Nachteil 1: Damit Amazon meine Bücher für KU zulässt, muss ich mindestens 3 Monate exklusiv bei ihnen sein. Erst danach kann ich aus KU raus und die E-Books auch bei Tolino einstellen. Und das ist verdammt schade. Ich würde lieber alle gleichzeitig bedienen. Viel, viel lieber. Jeder soll meine Bücher da kaufen können, wo er will.

Nachteil 2: das liebe Geld. Wenn ein Leser das komplette E-Book über KU liest, bekomme ich dafür Geld von Amazon. Leider nicht viel, und es wird immer weniger. Die Entwicklung könnt ihr hier nachverfolgen: http://www.selfpublisherbibel.de/kindle-unlimited-quoten-fuer-februar-2019-leicht-aufwaerts/. Inzwischen bekomme ich für ein gelesenes E-Book nur noch ein Drittel von dem, was ein Verkauf einbringt. Und ich brauche das Geld. Ich lebe von dem Scheiß. Zusätzlich steigen immer mehr Leser von Kaufen auf KU um, was ich aus Lesersicht total verstehe, aber: Ich lebe von dem Scheiß.

Das System kann ich nicht ändern. Aber meine Veröffentlichungsstrategie. Und JETZT wird’s erst kompliziert. 😀

Ich habe keine Lust mehr, meine Tolino-Leser wie Kunden zweiter Klasse zu behandeln. Die sind genauso nett wie die Amazon-Leser, schreiben mir genau so tolle Nachrichten und im Gegensatz zu den KU-Lesern zahlen sie den vollen Preis. Nichts gegen die KU-Leser. Ich liebe euch! Ihr seid großartig und ihr schreibt so unglaublich liebe Rezis. Aber es ist einfach unfair, dass die Tolino-Leute IMMER warten müssen.

Also, was tun? Ich habe immer noch keine perfekte Lösung. Aber eine bessere. Das nächste Buch veröffentliche ich parallel auf Amazon und den Tolino-Plattformen (Thalia.de, Hugendubel.de usw.). Ohne KU. Nach einer Woche pausiere ich das E-Book dann auf den Tolino-Plattformen und stelle es bei KU ein. Die KU-Leser sollten es 10 Tage nach Veröffentlichung lesen können. Immer noch nicht ideal, aber besser, jemand muss 10 Tage warten als 3 Monate. Und immerhin haben ALLE in den ersten zwei Wochen die Möglichkeit, das E-Book zu kaufen oder zu leihen.

Der einzige Nachteil ist, dass die KU-Leihen im Amazon-Ranking (den Bestsellerlisten) zählen wie Verkäufe. Diesmal wird’s also wohl nichts mit dem schönen »Bestseller Nr.1«-Label. Das opfere ich der Gerechtigkeit. Jou. Mal sehen, wie mein Ego das verkraftet. 😀

Nachtrag: Meinem Ego geht’s gut, dem feisten Miststück. Bestseller Nr. 1, Baby!

Das „Mondmal“ bekommt einen Bruder: „Flammensturm“

Wir hatten es ja angedroht, äh, angekündigt: „Das Mondmal“ war nur Teil 1 der ersten uferlosen Buchreihe. „Flammensturm“, Tanjas Geschichte von Krieg, Liebe, Elfen, Menschen und Alpträumen ist Band 2. Nun ist sie vorbestellbar und ab Freitag bei Amazon erhältlich. Hier: https://www.amazon.de/Flammensturm-uferlos-Seelengef%C3%A4hrten-Tanja-Rast-ebook/dp/B07NCPG6XW/

Mock-Up von covervault.com

Geschichte neigt dazu, sich zu wiederholen. Aus gutem Grund bewahren die Elfen die Geschichten über ein Krieger- und Liebespaar, das einst die Albtraumgespinste zurückgeschlagen hat.

Mit Lobpreisung hat Elfenkrieger und Hitzkopf Zeriac gerechnet, als er einen der verhassten menschlichen Soldaten als Gefangenen ins Lager schleppt. Aber es kommt anders: Ein Blick auf den sanften und allzu höflichen Hünen Curan genügt der Stammesältesten, um den beiden jungen Männern Scheußliches zu eröffnen. Dabei stellt die Rückkehr der monströsen Albtraumgespinste das kleinste Problem dar, findet Zeriac. Schlimmer ist das, was die Alte da über ein mystisches Paar faselt …

Zeriac kennt die Legende natürlich, sieht aber gar nicht ein, sich sein Leben von einer angeblichen Schicksalsmacht vorschreiben zu lassen – und wen er gefälligst zu lieben hat! Doch die Armeen der Albtraumkönigin rücken unaufhaltsam vor, und Zeriac und Curan stehen vor ihrer größten Schlacht. Denn den monströsen Kreaturen ist es gleich, ob sie Mensch, Zwerg oder Elf zerfleischen …

„Das Mondmal“ ist da!

„Das Mondmal“ a.k.a. „Seelengefährten 1“ a.k.a. „Die lustigen und unlustigen Abenteuer von Ridley, Slar und Onex“, ist heute morgen erschienen. Hier! Und es schlägt sich erstaunlich gut. Nummer 1 in „Fantasy für Homosexuelle“? Nicht schlecht, Jungs! Eine ausführliche Leseprobe gibt es drüben auf Amazon auch. Und schon vier Rezensionen, falls ihr wissen wollt, was meine Leserunde davon hält.

Hier ist der Link: https://www.amazon.de/Das-Mondmal-uferlos-Seelengefährten-1-ebook/dp/B07M6ZZCMM/

Klappentext? Klappentext!

Zwei Helden, vom Schicksal zusammengeführt! Zwei Herzen, eine Bestimmung!

Das Autorenkollektiv „Die Uferlosen“ präsentiert: „Seelengefährten“. In jedem Buch wird das Thema neu interpretiert, aber eins haben alle Bände gemeinsam: Sie gehen direkt ins Herz.


Zwei Herzen, ein Zeichen. Wer das Mondmal eines anderen trägt, ist mit ihm verbunden – für immer. Doch was, wenn dein Zeichen jemandem gehört, den du hasst?

Nach einer harten Kindheit im Waisenhaus geht es für Ridley endlich aufwärts. Als »Zukal der Zerstörer« ist er der beste Käfigkämpfer der Arena, und bald wird er auch der beste Heiler der Akademie sein. Jemand wie er glaubt nicht an Mondmale. Keine Göttin kann ihm vorschreiben, wen er zu lieben hat. Sein einziges Problem ist dieser Idiot von der Tempelwache, der sein gesamtes Geld in den Kanal geworfen hat. Und nur, weil Ridley ein winziges Boot geklaut hat … während darauf eine Trauerzeremonie stattfand

Slar wird den feigen Dieb finden, der ihn vor seinem besten Freund lächerlich gemacht hat. Nicht nur, weil er heimlich in diesen besten Freund verliebt ist. Sondern auch, weil Gesindel wie Ridley Zukal nicht frei herumlaufen darf. Selbst wenn dieses Gesindel den Körper eines Kriegsgottes und ein überaus anziehendes Lächeln hat …

Neuer Roman: „Das Mondmal“ + Leseprobe

Es geht wieder los! 😀 Aber heute ist mein neuer Roman „Das Mondmal“ auf Amazon vorbestellbar. Und am 10. Januar erscheint er.

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: „Das Mondmal“ ist nämlich Teil 1 einer Reihe, die ich mit meinen uferlosen Kolleginnen geschrieben habe. Tanjas „Flammensturm“ ist Band 2 und Band 3 … wird noch nicht verraten. Aber bald darf ich hoffentlich mehr sagen.

Da Amazon noch keinen Blick ins Buch erlaubt, ist hier eine Leseprobe: Kapitel Eins, in dem wir den charmanten Ridley Zukal kennenlernen. Der, damit wir ihn direkt ins Herz schließen, erst mal ein Boot klaut, rumhurt und sich prügelt. Ridley! Lass das!

Ein angenehmer Morgen

Ridley wettete auf sich selbst und gewann. Wie immer. Na gut, ab und zu verlor er auch, aber das kam so selten vor, dass er es großzügig vergaß.
»Ich bin der Größte!«, brüllte er und riss seinen biergefüllten Pokal hoch. Schaum schwappte auf die Bodenbretter und vermischte sich mit dem Blut, das aus seiner geplatzten Unterlippe tropfte.
»Zukal!«, schallte es ihm entgegen. Die Menge war so dicht gedrängt, dass er das Ende der Halle kaum sah. Dutzende schmutziger Hände rissen an den Gittern des Käfigs und brachten das ganze Ding zum Klappern und Summen. Sie schüttelten warme Tropfen von den Stäben an der Decke, die seine nackten Arme trafen. Und die reglose Gestalt seines Gegners, der mit dem Gesicht voran auf dem Boden lag.
Ridley grinste noch einmal in die Runde, dann verschwand er durch die Klappe, die Minos, der Türsteher, ihm aufhielt. Der klopfte Ridley knapp auf die Schulter. Ridley erwiderte die Geste, dann verschluckte die Menge ihn.
»Ich hab 200 Gulden gewonnen!«, kreischte ihm jemand ins Ohr. »200! Ich hab gewusst, dass ich auf dich wetten muss! Du bist der Hammer, Mann!«
»Wahnsinn! Wie du ihm die Faust durch die Fresse gezogen hast!« Ein zahnlückiges Lachen. Die Frau war höchstens einundzwanzig. »Wahnsinn!«
»Zukal!« Ein hübscher Braunhaariger warf sich in seine Arme. Ridley kannte ihn. »Guter Kampf.«
»Danke.« Ridley packte den Hinterkopf des Kerls und steckte ihm seine Zunge in den Hals. Er schmeckte Rum, Schweiß und schweren Wein. Lecker. Jetzt wusste er wieder, woher sie sich kannten. Sie waren schon einmal übereinander hergefallen, als er vor ein paar Wochen Ragan Rotauge besiegt hatte. Sah aus, als würden sie das heute Abend wiederholen.
Sie wiederholten es. Lange.

Als Ridley aus der abblätternden Haustür des Braunhaarigen trat, dämmerte es bereits. Farben schälten sich aus dem Grau und die Halbmondstadt schien sich blinzelnd die Augen zu reiben. Noch war niemand auf der Straße. Pfeifend richtete Ridley sein ärmelloses Hemd und ging durch die schmale Gasse. Über ihm neigten sich die hohen Fassaden einander zu, als wollten die Dachrinnen sich küssen. Es stank nach Algen, aber das tat es hier immer. Die Halbmondstadt war auf Wasser gebaut. Man konnte kaum einen Stein werfen, ohne dass der im graugrünen Wasser eines der Kanäle versank.
»Ein weiterer erfolgreicher Arbeitstag für Zukal den Zerstörer!«, rief Ridley Dreck und Pflastersteinen zu.
Das Gewicht der Münzen wog schwer an seinem Gürtel. Ja, seine Börse war reichlich gefüllt. Sieben zu eins hatten die Wetten gestanden. Nur, weil sein Gegner drei Fingerbreit größer gewesen war als er. Auf die Größe kam es nicht an. Außerdem war Ridley verdammt groß. Er hielt an einer der moosüberwucherten Brücken, um ins Wasser zu schauen. Im trüben Dämmerlicht sah er nicht viel, aber er erahnte in den dunklen Schemen sein Gesicht. Soweit er das beurteilen konnte, sah er fantastisch aus, trotz der geplatzten Lippe. Mehr als fantastisch. Dieser Kerl von vorhin, der hatte kaum aufhören können, seine muskelbepackten Arme zu betatschen und ihm zu erklären, wie heiß er war. Der hatte seinen Namen noch lauter geschrien als die Menge vorhin, als Ridley ihn gestoßen hatte.
Zufrieden ging er weiter.
»Zukal!« Eine röhrende Stimme hallte durch die enge Gasse. Ridley stoppte abrupt. Drei Männer und eine Frau traten aus dem Schatten eines Hauseingangs. Ein Wunder, dass er die Frau nicht vorher gerochen hatte. Sie stank nach altem Bier und noch älterem Schweiß. Alkohol hatte sich in ihr Gesicht gefressen und es in ein rotes Kraterfeld verwandelt. Die drei Kerle, vielleicht ihre Söhne, sahen kräftiger aus. Tumb und breitschultrig, aber das war es nicht, was ihm Sorgen machte. Das waren die Messer, die in ihren Händen blitzten.
»Hallo, schön euch zu sehen«, sagte Ridley strahlend und rannte weg. Genau in einen vierten Mann hinein, der noch schlimmer roch als die Frau. Feucht-fischige Haut traf auf Ridleys Nase, die ohnehin schon vom Kampf lädiert war.
Er hielt sich nicht mit Fragen auf. Es war klar, dass die Fünf ihm schaden wollten. Instinktiv ließ er sich fallen, gerade rechtzeitig, um nicht vom Messer des vierten Mannes skalpiert zu werden. Er packte den Kerl am Knie und riss es nach vorn. Sein Gegner knickte ein und Ridley hatte freie Bahn. Er nutzte seine Chance.
Blitzschnell sprintete er zurück, über die Brücke, von der er eben noch sein Spiegelbild bewundert hatte. Mist, die Pflastersteine waren rutschig. Fast hätte er sich am Ende der Brücke auf die Fresse gelegt. Oder lag es an dem Alkohol, der immer noch durch seine Blutbahnen rauschte? Nach dem fünften vollen Pokal hätte er eventuell aufhören sollen.
Wohin? Am besten einfach weiter. So fertig wie die Alte aussah, würde zumindest sie nicht mithalten können. Und die Männer hatten auch nicht gerade leichtfüßig gewirkt. Trottel. Er hätte fast gelacht … aber dann wäre er in den Mehlwagen gerannt, der genau in diesem Moment um die Ecke bog. Der Kutscher sowie der Esel, der das wackelige Gefährt zog, sahen ihn entsetzt an. Keine Zeit, anzuhalten. Ridley fluchte. Er packte den oberen Rand der Kutsche, setzte einen Fuß auf das metallbeschlagene Rad und hechtete über die prall gefüllten Leinensäcke. Im Aufkommen stolperte er und rollte sich über die Pflastersteine ab.
»Scheiße«, murmelte er, als er sich hochrappelte. Konzentration. Sein biervernebelter Kopf durfte ihm nicht zum Verhängnis werden. Einen Würgreiz unterdrückend strauchelte er weiter. Seine Schritte hallten von den Wänden der schmalen Gasse wider. Hinter ihm erklang ein dumpfes Geräusch.
Weiterlaufen, dachte Ridley und drehte sich trotzdem um. Weiße Schwaden verbargen den Mehlwagen und krochen auf ihn zu. Seine Verfolger hatten den gleichen Weg wie er genommen und dabei anscheinend einen Mehlsack zum Platzen gebracht. Gut. So war er einen Moment lang vor ihren Blicken verborgen. Noch besser: Rechts von ihm tat sich ein Hofeingang auf. Er warf sich herum und verschwand darin.
Kaputte Fässer türmten sich in dem finsteren Hinterhof auf. Er war klein und quadratisch und die Mauern so feucht, dass sie schimmelten. Von ihrer ehemals roten Farbe waren nur noch vereinzelte Flöckchen übrig. Links und rechts von ihm ragten Hauswände auf, vor ihm eine hohe Mauer. Und dahinter … Er hörte das träge Schlappen des Wassers. Ein Kanal. Der modrige Geruch der Algen war unverkennbar. Er hatte keine Lust, sich in die widerliche Brühe zu stürzen. Vermutlich war die eh so dick, dass er absaufen würde. Na ja, musste er auch nicht. Die schnellen Schritte, die aus der Gasse erklangen, wurden lauter und rauschten an dem Hofeingang vorbei. Ridley schüttelte den Kopf.
Trottel, dachte er mal wieder.
»Warte!«, erklang eine Stimme aus der Gasse. »Ich glaube, er ist da rein.«
Oh.
Schritte näherten sich. Weniger Füße. Sie schienen sich aufgeteilt zu haben. Ridley sah sich nach einem Versteck um, aber der Hof war zu eng und die Fässer zu kaputt. Keins davon hätte ihn verborgen. Seufzend drehte er sich um. Ein zahnlückiges Lächeln erwartete ihn.
»Da bist du, du Scheißbetrüger.« Der Kerl sah aus wie ein versoffener Zuchtbulle. Der andere, der sich in den engen Hof schob, ebenfalls. Vermutlich waren sie Brüder.
»Hallo.« Ridley lächelte charmant. »Schön, dass ihr mich gefunden habt. Wollt ihr mir jetzt erklären, was euer Problem ist?«
»Unser Problem ist, dass du ein Scheißbetrüger bist«, schnarrte der Zuchtbulle. Sein Bruder nickte.
»Ich. Ein Betrüger.« Ridley schnaubte. »Das hab ich doch gar nicht nötig. Lasst mich raten: Ihr habt bei dem Kampf vorhin einen Batzen Gulden in den Sand gesetzt, weil ihr nicht auf mich gewettet habt. Lasst euch das eine Lehre sein. Ich gewinne immer.«
»Ein Scheißbetrüger bist du!«, bellte der Zuchtbulle. »Du hattest doch keine Chance gegen Steve den Schlächter! Meinst du, wir merken das nicht?«
»Ich glaube, ihr merkt so einiges nicht.« Ridley roch das widerliche Wasser hinter der Mauer und seufzte innerlich. Hätten sie keine Messer gehabt, hätte er sich auf einen Kampf eingelassen. Obwohl … »Ach, was soll’s?«, murmelte er.
Kaum hatte er einen Schritt gemacht, tauchten die anderen beiden Männer auf. Vergölzt! Ridley fuhr herum. Er packte die nächstbeste Tonne und warf sie auf die Vier. Mit einem feuchten Knall zerschellte sie. Er machte sich nicht die Mühe, nachzusehen, ob das irgendetwas bewirkt hatte. Er sprang. Holz knirschte unter seinen Füßen, aber das morsche Fass hielt. Seine Hände packten die Mauer. Die Steine waren so glitschig wie der ganze schimmlige Hinterhof. Er rutschte. Abrupt löste er die Linke und griff damit um die hintere Kante, genau in dem Moment, in dem die Rechte abrutschte. Endlich fanden seine Finger Halt. Mit einem Satz war er auf der Mauer.
»Bis bald, ihr Fischfotzen.« Er grinste den vier Trotteln zu. Die nahmen Anlauf, um ihm zu folgen. Mist.
Ridley sprang. Wind rauschte um seine Ohren. Erst im Fallen sah er, worauf er zusteuerte. Fast hätte er gelacht.
Er prallte auf harte Planken, rollte sich ab und knallte gegen die Reling, die mit Holzschnitzereien verziert war. Das Boot, auf dem er gelandet war, schwankte. Stoff flatterte und ein Schrei ertönte. Jemand in einer grünglänzenden Kutte ging über Bord.
Zwei erstaunte Augenpaare unter spiegelnden Glatzen sahen ihn an. Wächter der Göttin. Gold glitzerte zwischen den beiden: Eine Urne thronte auf Samt, auf einem Sockel in der Mitte des Zeremonienbootes.
Mehr Augenpaare starrten ihn von der anderen Seite an, vom Gehweg. Hunderte. Er war in einer verdammten Trauerprozession gelandet. Die Anhänger der dreiarmigen Göttin führten sie immer zu den blödesten Zeiten durch, was nur ein Grund war, aus dem Ridley diese kalten Frömmler nicht leiden konnte.
Immerhin glitten sie an der Mauer vorbei. Darauf sah er seine vier Verfolger hocken, die ihm wütend nachstarrten. Sie rührten sich nicht. Offenbar hatten sie zu viel Schiss vor dem Zorn der dreiarmigen Hure, um ihre Prozession zu stören.
Der Bürgersteig quoll fast über vor Menschen. Da würde er nicht durchkommen, ohne dass ihn die Wächter der Göttin in der Luft zerrissen. Diese breitschultrigen, in Kutten gekleideten Schränke hatten sich vor den normalen Frömmlern und den Angehörigen aufgebaut. Zwei, drei hätte er ausschalten können, aber nicht zwanzig. Wer immer da in der Urne vor sich hin staubte, musste wichtig gewesen sein. Im Boot allerdings … da befanden sich nur zwei Wächter. Und sie fuhren genau auf das Ende der Strecke zu: Einen Tunnel. Ein dunkles Loch in der inneren Stadtmauer, an dem der Bürgersteig endete. Wenn er da durchkam, würde ihm niemand folgen können.
Eine Faust raste auf sein Gesicht zu und nur durch seine Reflexe schaffte er es, auszuweichen. Einer der beiden Wächter. Ridley packte ihn am Kragen seines Kittels und warf sich rückwärts. Seine Füße schossen hervor und kaum war der schwere Körper auf ihm gelandet, hatte er ihn schon über Bord geschleudert. Gut so. Nur noch einer. Der starrte ihn an, als hätte er keine Ahnung, was Ridley hier wollte. Besonders schlau schien er nicht zu sein. Ganz blöd aber auch nicht: Er hob die Stange, mit der er das Boot durch den Kanal gesteuert hatte, wirbelte sie herum und hielt sie kampfbereit vor sich. Der hier schien etwas mehr draufzuhaben als der andere. Er wartete ab, was Ridley tat.
»Tschuldige«, lallte Ridley und gab vor, zu stolpern. Im Fallen griff er nach der Stange, warf sich herum und nutzte den Schwung, um dem Wächter das Ende des Stabs in den Magen zu rammen. Der Kerl strauchelte. Ridley packte den Stab fester und stieß ihn mit drei schnellen Stößen gegen die Brust des Wächters. Es reichte, um ihn in das grünbraune Wasser zu befördern. Eine Welle übelkeiterregenden Geruchs stieg auf, als der massige Körper des Wächters die Oberfläche durchbrach.
Schatten legten sich über Ridley. Sanft glitt das Schiff in den Tunnel. Er lachte. Okay, das war ein beschissener Morgen gewesen, aber die blöden Gesichter in der Prozession waren es wert gewesen. Wie sie ihm hinterher starrten!
Zwei Wächter halfen ihrem Kameraden aus dem Wasser. Der Priester, der als Erster über Bord gegangen war, stand bereits tropfend auf dem Pflaster und schaute, als hätte man ihm ins Weihwasser gepisst. Seine schlappen Wangen hingen fast bis zu den Schultern.
Ridley winkte ihnen zu, während der Tunnel ihn verschlang.
Die Urne hinter ihm war bei dem Kampf nur minimal verrutscht. Er packte sie und wog sie in den Händen. Schwer. Leider nicht aus massivem Gold.
»Vielleicht ist das Ding trotzdem was wert.« Ridley versuchte, in der Düsternis die Inschrift zu lesen. »Für einen armen Schlucker würden sie nicht so einen Aufstand veranstalten. Wolltest du etwas Wertvolles mit ins Grab nehmen? Etwas schön Schweres, Goldenes? Einen Armreif?«
Der Deckel saß fest. Er ließ sich weder drehen noch heben, was seine Vermutung noch bestärkte.
»Komm schon«, brummte Ridley.
Ein Klatschen hinter ihm. Er fuhr herum. Breite Finger griffen die Reling und einen Atemzug später wuchtete der zweite Wächter sich ins Boot. Algen klebten auf seiner Glatze und Mordlust funkelte in seinen Augen.
»Leichenschänder«, knurrte er.
Genau in diesem Moment endete der Tunnel und Ridley fiel auf, was er vorhin nicht bemerkt hatte: Die kantigen Gesichtszüge und schmalen Augen des Soldaten. Die spitzen Ohren. Der Kerl war ein Halbblüter. Sein Körper, an dem der einfache weiße Kittel und die Lederrüstung klebten, war muskelbepackt, sehnig und gigantisch. Die karamellfarbene Haut und die violetten Augen glichen Ridleys, aber er hätte hundert Gulden darauf gewettet, dass die Haare des Kerls weiß waren, wenn er sie wachsen ließ.
»Ich wusste nicht, dass die Bleichen die dreiarmige Hure anbeten«, sagte Ridley leichthin.
Das Gesicht des Kerls verfinsterte sich. Aber er schwieg.
»War deine Mutter aus dem Norden? Oder war es dein Vater?« Ridley beobachtete jede winzige Bewegung des Wächters. Wenn er ihn provozierte, würde er Fehler machen. »Ich schätze, dein Vater. Gibt genug von euch Bastarden in den Bergen. Manchmal glaub ich, jede Bauersfrau von hier bis Efemir hat die Beine für die Bleichen breitgemacht. Hat deine Mutter es sich gut bezahlen lassen?«
Er sah die Wut in den Augen des Kerls, aber seine Haltung änderte sich nicht. Auch er wartete. Sie standen sich gegenüber wie zwei Bären, kampfbereit, darauf wartend, dass der andere den ersten Fehler machte.
»Erzähl mir nicht, dass diese Frömmler dich wie einen der ihren behandeln. Glaubst du echt daran, dass die Göttin uns alle erlösen wird?«
»Die Göttin wird dich strafen.« Die tiefe Stimme schien aus den Niederungen der Unterwelt zu kommen.
»Die Göttin straft jeden, du Idiot. Egal, ob er was getan hat oder nicht.« Ihr Bild tauchte in Ridleys Erinnerung auf: Kalt starrte sie auf ihn nieder, ihr Schlangenblick mitleidslos. Fast spürte er die Fesseln um seine Handgelenke, die Kante der Bank, die sich in seine Knie grub, sie durchscheuerte, ihn quälte, bis die Tränen von seinem Kinn tropften, obwohl er sich geschworen hatte, stark zu sein …
Der Soldat griff an. Mist, jetzt hatte er sich ablenken lassen! Ridley wollte dem Griff ausweichen, schaffte es aber nicht. Schmerz schoss in seinen Rücken. Sein Hinterkopf schlug auf die harten Planken. Er versuchte, die Beine unter sich zu bekommen, den Kerl herunterzutreten, aber alles, was er zustande brachte, war sich den Ellenbogen zu stoßen. Der Griff des Wächters war unbarmherzig, sein hässliches Gesicht hart. Krallen packten Ridley und schleuderten ihn herum. Seine Nase prallte auf Holz.
»Pass doch auf!«, brüllte er und trat zu. Er hatte Glück: Sein Hacken kollidierte mit der einzigen weichen Stelle des Wächters: seinem Schritt. Er hörte ein leises Ächzen, der Griff lockerte sich minimal und er schaffte es, sich herauszuwinden.
Einen Schlagabtausch später standen sie sich keuchend gegenüber. Blut rann aus Ridleys Nase und er wusste, dass dem Wächter die Eier brannten. Nicht, dass der sich das hätte anmerken lassen. Eine Fresse aus Stein hatte der Halbblüter.
»Mann, lass mich doch einfach gehen.« Er schnaubte. »Ich will das Scheiß-Boot nicht klauen. Ich will nur weg von hier. Wie wär’s, wenn ihr es mir leiht und ich es morgen zurückbringe?«
»Du hast die Prozession gestört.« Vollkommen humorlos, der Typ. »Ketzer.«
»Gut erkannt, ich bin ein Ketzer. Und … Hey!« In den Pranken des Wächters baumelte etwas, das Ridley kannte. Er musste nicht einmal an sich herabsehen, um zu erkennen, dass sein Geldbeutel fehlte. Das fehlende Gewicht spürte er auch so. Wann hatte der Kerl ihm den abgenommen?
»Ist das Diebesgut?«, fragte der Wächter und hielt den Beutel höher. »Hast du es gestohlen?«
»Was? Nein.« Ridley lachte spöttisch. »Das habe ich ehrlich gewonnen.«
»Im Spiel?«
»Beim Kampf.«
»Lügner. Die Göttin verachtet Glücksspieler«, sagte der Wächter und schleuderte Ridleys Geldbeutel hinter sich.
Als würde es hundert Jahre dauern, sah er zu, wie der lederne Beutel durch die Luft flog, mit einem Platschen die Wasseroberfläche durchbrach und sank. Ridley stürzte vorwärts. Genau in die Falle des Wächters. Der packte ihn um die Taille und schleuderte ihn zu Boden. Ridley spürte seine Rippen knacksen. Die Luft verließ seine Lungen und sein Kopf knallte gegen den Sockel, auf dem die Urne stand.
Nein! Das Geld! Er brauchte das verdammte Geld, dieser verdammte Mistkerl sollte … Ein dumpfer Laut erklang über ihm. Dann rollte etwas Schweres an seinem Kopf vorbei. Die Augen des Wächters verdrehten sich und er sackte auf Ridley zusammen. Einen Moment lang fühlte er sich an seinen braunhaarigen Liebhaber erinnert. Der war vorhin auch auf ihm zusammengebrochen, in fast der gleichen Position. Nur, dass der Wächter ihm bestimmt keine Schweinereien ins Ohr flüstern würde. Ein schmaler Blutstreifen lief an seiner Schläfe entlang und Ridley kapierte, dass die Urne auf dem Kopf des Mistkerls gelandet war. Er hätte gelacht, aber sein verdammter Wettgewinn trudelte gerade dem Boden des Kanals entgegen. Er hatte keine Zeit! Gleich würde die verdammte Prozession hier auftauchen und zwanzig von diesen bekloppten Wächtern würden versuchen, ihm die Fresse zu polieren.
Mit einem Fluch stürzte er sich in das stinkende Wasser.

Neuer Roman, neue Anthologie, neues Gekrakel

Kleines Update: Ich lebe immer noch (bin nur todmüde, haha) und komme sogar zum Schreiben. Gerade ist eine Kurzgeschichte von mir in der Anthologie „Sommernachtsflüstern“ erschienen. Weiter unten ist eine kleine Leseprobe für alle, die es interessiert.

Außerdem ist „Dichte Dichter 1: Milan“ beendet und komplett auf Wattpad erschienen. UND ich habe gleich weitergemacht und meine Seelengefährten-Story angefangen. Sie heißt „Seelengefährten: Ridley„, was ein sehr fauler Arbeitstitel ist. Der nächste wird besser, ich versprech’s. 🙂

Uuuund ich habe wieder für die Greenlight Press illustriert. 🙂 Die Zeichnungen sind so schön geworden, dass ich einfach damit angeben muss. 🙂

Hier sind Johanna und Leonardo aus „Das Erbe der Macht

Das M.O.R.D.s-Team

Portraits von allen Greenlight Press-Autoren und Mitarbeitern

 

Und, weil sie direkt danach noch Zuwachs bekommen haben, die entzückende I.Reen Bow

Das war’s soweit mit meinen Neuigkeiten. Also, bis auf die versprochene Leseprobe, die folgt jetzt. Ich geh mal wieder das Baby bespaßen. 🙂

++++ Leseprobe „Ramen am Rhein“ ++++

»Was ist jetzt?«, fragt er in inzwischen perfektem Hamburgisch. »Kommst du mit nach Düsseldorf? Ich fahre morgen eh, dann kann ich dich auch mitnehmen.«

»Mit dem Motorrad?«

»Ne, dem Auto.«

»Oh, gut.« Ich bin so langweilig. »Und was machst du in Düsseldorf? Familie besuchen?«

»Nein.« Sein Gesicht verschließt sich wie eine Auster. »Hab was zu erledigen. Unwichtig.«

Ich verkneife mir weitere Fragen und beschließe, spontan zu sein. »Ich bin dabei. Danke, Kyo.« Ich lächle. Er lächelt ebenfalls, allerdings liegt etwas Scharfkantiges in seinen Mundwinkeln.

»Oh, ich mache das nicht umsonst.«

»Kein Problem, wenn du warten kannst. Montag wird mein Gehalt …«

»Ich kann nicht warten.« Er beugt sich über den leeren Tisch, so weit, dass ich ihn riechen kann. Frisch geduscht, mit einer leichten Minznote. »Wenn ich dich mitnehme, lässt du mich endlich ran.«

»Äh, was?«, stottere ich.

Lauernd sieht er mich an. »Du weißt schon, was ich meine, oder?«

»Ja … klar.« Dieser Arsch. Er macht immer wieder so dumme Anspielungen. Als ob er das wirklich wollte. Aber so naiv bin ich auch nicht. Ich entscheide mich, mitzuspielen. »Ja, okay. Aber beschwer dich nicht, wenn es den Trip nicht wert war.«

»Oh, das wird es sein.« Selbst die Art, wie er seine Augenbraue hebt, ist cool. Mir kommen leise Zweifel. Er meint das doch nicht ernst, oder? Nein. Nein, garantiert nicht. Was soll Kyo denn mit mir?

»Super. Das sind ja … gute Neuigkeiten.« Ich räuspere mich und versuche, nicht rot zu werden. Vergeblich. »Dann bis morgen.«

Veröffentlichung! Nanowrimo! Ahhhh!!!!!

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Also: Shirley und Gwen sind seit heute offiziell erschienen UND haben es gleich an die Spitze der „Lesbenromantik“-Charts geschafft. 🙂 Herzlichen Glückwunsch, Mädels! Und bei all den Lesern und Leserinnen, die meinten, es würde ihre erste Lesbenromanze, bin ich SEHR gespannt auf die ersten Rezensionen. Vielleicht sollte ich lieber Angst haben, aber darauf habe ich gerade keine Lust. 🙂

Denn es ist Nanowrimo! NANOWRIMO!!! Die schönste Zeit des Jahres. 🙂 Seit heute! Und ich schreibe das Buch, auf das ich fast ein Jahr warten musste: Josh. Keine Ahnung, ob das so besonders toll wird, ich weiß nur, dass ich mich mehr darauf freue als auf Weihnachten. Ich liebe die Story einfach und bin SO glücklich, die nächsten Tage und Wochen mit Josh und Lucien und Joshs Familie zu verbringen. Bisher macht es sauviel Spaß, dabei ist Josh todunglücklich. Aber das wird ja irgendwann besser. Armer Kerl …

Wordcount heute:  2.849 Wörter (bisher)
Wordcount „Josh“ insgesamt: 2.849 Wörter

Lieblingsstelle:
Der Neue betrat die Klasse und Josh wusste, dass er ein Problem hatte. Nein, eigentlich wusste er es zwei Sekunden später, als er Anna leise keuchen hörte. Anna mit den wunderschönen Bernsteinaugen und der süßen Stupsnase. Anna, in die Josh seit Monaten verliebt war. Leider war sie nicht in ihn verliebt. Wirklich nicht. Er hatte sie gefragt. Und ihre Antwort war genau die gewesen, die er gefürchtet hatte.

„Na ja.“ Sie hatte, halb erfreut, halb peinlich berührt zu Boden gesehen, als er ihr seine Gefühle gestanden hatte. Bei der Silvesterparty von Dean. Lärm, Rauch und bierseliges Grölen waren bis in das Nebenzimmer gedrungen, in dem sie gestanden hatten „Weißt du, Josh, du bist nett, aber … mehr so wie ein Bruder oder ein … Kumpel. Sorry, ich weiß, wie das klingt. Und, na, du weißt schon.“
„Was weiß ich?“, hatte Josh hervorgebracht, obwohl sein Brustkorb sich angefühlt hatte, als hätte Anna die Rippen auseinandergebogen und sein Herz mit einem Akkuschrauber bearbeitet.
Sie fuhr sich durch die wunderschönen braunen Haare. „Ich hätte eh Angst, dass du nachher doch schwul bist.“
„Ich bin nicht schwul“, hatte er gekrächzt, ungefähr zum hunderttausendsten Mal in seinem Leben.
„Deine ganze Familie ist schwul.“
„Gar nicht wahr“, hatte er gesagt. „Meine Schwester ist lesbisch.«
Anna hatte ihn angesehen, als würde das ihre Argumente noch bekräftigen. Ihr niedlicher Mund hatte sich verzogen und sie hatte sich die echt superhübschen Augen gerieben.
„Ich könnte einfach nie sicher sein. Und … du weißt schon.“
Er wusste es wieder nicht. „Was?“
„Na, du siehst irgendwie aus wie so ein Rothaariger.“
Josh hatte sich eine Strähne seines Haares vor die Augen gezogen, um zu überprüfen, ob sie in den letzten Stunden spontan die Farbe gewechselt hatten. Immer noch dunkelschlammbraun
„Ein Rothaariger, der sich die Haare gefärbt hat“, beeilte sie sich, zu sagen. „Mit deinen Sommersprossen und so. Ich meine, das ist nicht schlimm, aber … irgendwie nicht sexy.“
„Oh.“
„Und außerdem …“
Josh war zurück auf die Party getaumelt, bevor ihr noch mehr Mängel einfallen konnten. Zwischen den lärmenden und saufenden Leuten, die auf das neue Jahr angestoßen hatten, war er auf einen Sessel gesunken und hatte versucht, nicht zu heulen. Hatte fast geklappt. Zum Glück war die Luft so rauchgeschwängert gewesen, dass es eventuell niemand mitbekommen hatte. Dean war vorbeigetorkelt und hatte ihm gewünscht, dass er im nächsten Jahr endlich einen netten Kerl kennenlernen würde. Am besten schnell. Josh wusste, dass Dean mit allen möglichen Leuten eine Wette darüber abgeschlossen hatte, wann Josh sich endlich outen würde. Anscheinend hatte er auf Anfang Januar getippt.
Es war eine beschissene Art gewesen, das neue Jahr zu beginnen.

 

Brutales Schreiben

Für die nächsten drei Tage habe ich mir 8000 Wörter am Tag vorgenommen. Shirley muss endlich vorankommen, jetzt, wo der Großteil der anderen Aufträge abgearbeitet ist. Sobald ich schreibe, ist es auch super und läuft wie geschmiert. Heute habe ich mein Ziel jedenfalls knapp erreicht und bin zufrieden.

Übrigens habe ich am Sonntag ein sehr interessantes Buch gelesen: »The Bestseller Code«. Das hat bei Erscheinen (vor einem Jahr oder so) für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt. Ich bin erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen. Kurz gesagt, geht es darum, dass zwei Leute einen Computer mit tausenden von Büchern gefüttert haben, Bestsellern und Nicht-Bestsellern. Anhand dieser Daten konnte der Rechner dann prognostizieren, wie erfolgreich ein Buch sein würde. Wenn sie ihm ein neues Buch gegeben habe, lag er in ungefähr 80% der Fälle richtig.
Sehr spannend, leider auch voll mit eher unnützem Gelabere. Allerdings amerikanischem Gelabere, das ist wenigstens unterhaltsam. Das Buch bringt einem als Autor so mittelviel, aber ein paar interessante Fakten waren auf jeden Fall dabei. Falls ich demnächst mehr Zeit habe, könnte ich mal darauf eingehen. Und, da ich gerade merke, wie negativ das alles klingt, spreche ich eine absolute Kaufempfehlung aus. Alles, was kein Gelaber ist, ist nämlich verdammt interessant und oft sogar verdammt nützlich.
Ich bin inzwischen halt ein wenig realistischer geworden, was Schreibratgeber angeht (und dieses Buch will ja gar keiner sein). Aus den meisten zieht man 1-3 Dinge, die man wirklich brauchen kann, den Rest kennt man entweder schon oder es bringt einem nichts. Die einzigen Ausnahmen waren für mich »On Writing« und »How not to write a novel« und die Website von Andreas Eschbach. Sollte er die je in Buchform rausbringen, kaufe ich das E-Book, das Taschenbuch und das Hardcover, nur, um mich zu bedanken. 🙂

Wordcount heute: 8.111 Wörter
Wordcount „Shirley“ insgesamt: 32.125 Wörter

Lieblingsstelle heute:
»Magst du mich überhaupt?« Gwen klang so verletzlich.
Was war jetzt los? Wenn … Shirley jetzt Nein sagte, dann wäre sie … Wäre sie Gwen dann für immer los? Würde Gwen dann so verletzt sein, dass sie ihr ganzes Chaos und ihre Begeisterungsfähigkeit und ihren köstlichen Duft einpacken und verschwinden würde? Also, sobald sie hier rauskamen? Aber Shirley machte den Fehler, Gwen anzusehen, und konnte nicht mehr sprechen. Von dichten Wimpern umkränzte Veilchenaugen sahen sie an. Angst schwang darin, echte Angst.
Shirley nickte. »Ich mag dich«, gab sie zu, so leise, dass sie nicht sicher war, ob Gwen sie verstand.

Wie ich arbeite 1

photo by: Pannonnique at Morguefile.com

Morgens, nachdem ich die übliche Facebook-Zeitverschwendung/Spiel und Spaß/wichtiges Networking hinter mir habe (also gegen Mittag), lese ich erstmal durch, was ich am Tag vorher wild runtergetippt habe. Dann werden Rechtschreibung, Flüchtigkeitsfehler usw. korrigiert. Außerdem recherchiere ich alles, was ich am Tag vorher nicht wusste. Ist leichter, ein Zeichen (zum Beispiel das hier: (?) ) dranzuschreiben und weiterzutippen, als den Flow zu unterbrechen, um nachzuschauen, mit was für Maschinen Metallbauer eigentlich arbeiten. Gestern habe ich ersatzweise die Kurbelschraubsäge und die Schwunkwanzeldrehe erfunden, um sie heute durch Bohr-Fräsmaschinen zu ersetzen. 🙂

Wordcount heute: 4.057 Wörter
Wordcount »Deathtroyer« (Arbeitstitel) insgesamt: 51.775 Wörter

Lieblingsstelle heute:
Er war heimgegangen und hatte … ein Lied gepfiffen. Er! Ein Lied! Um Mitternacht hatte er noch die Küche geputzt, damit Mama sich nicht darum kümmern musste. Und … Überhaupt, wann war er das letzte Mal um Mitternacht daheim gewesen? An einem Wochenende? Nach zwölf fanden schließlich die besten Schlägereien statt.