Neues Buch: Plötzlich Prinzgemahl + Erstes Kapitel

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Seit einer halben Stunde ist das neue Buch bei amazon erhältlich. 🙂 Endlich!

Ich fühle mich richtig feierlich. Seltsamerweise.  Nach so vielen Büchern ist das Veröffentlichen eigentlich nur ein weiterer Punkt auf der To Do-Liste. Mir wurde eben klar, dass „Sexy Versager“ meine zehnte Veröffentlichung war und habe ich die gefeiert? Nö. Ich hab das hochgeladen und am nächsten Buch weitergeschrieben. Aber diesmal … werde ich den Launch zumindest mit einem Bier begießen. Prost! 🙂

Danke an alle, die geholfen haben! Und vielen Dank an die Lieben, die mir jetzt schon geschrieben haben, dass sie „Plötzlich Prinzgemahl“ gekauft haben! 🙂

Morgen geht’s weiter wie immer, mit Nano und Lieblingsstelle und Schreibtagebuch. Oh, und wer das erste Kapitel schon mal lesen möchte, hier ist es:

1.  Der gemeine Dieb

Es gab viele Arten, eine Kutsche vom Himmel zu holen.
Man konnte eine Schwarzpulverbombe an einem Pfeil befestigen, die Lunte anzünden und auf das Gefährt feuern. Bumm! Flammen und Rauch überall. Kutschen-, Menschen- und Pegasusfetzen regneten herunter und der fleißige Dieb musste nur noch die Wertgegenstände herauspicken, die sich zwischen den unappetitlichen Teilen befanden. Das war ein Weg.
Eine weit beliebtere Methode war es, den Pegasus ganz vorne mit einem Pfeil zu erschießen. Die restlichen Tiere schafften es nicht mehr, das Gefährt in der Luft zu halten und schmierten ab. Die Wertgegenstände einzusammeln, war so nicht nur leichter, sondern auch appetitlicher. Einziger Nachteil: Eins der Tiere war tot und die Kutsche flog nicht mehr. Nachdem die Insassen ausgeraubt waren, konnte der Dieb nicht fröhlich in das Gefährt hüpfen und verschwinden.
Aber Nat hatte einen weiteren Weg gefunden. Einen, der es ihm ermöglichen würde, alles zu verwerten: Kutsche, Tiere, Insassen … Alles würde unbeschadet auf dem Boden ankommen und wieder abheben können. Hoffte er zumindest.
»Das klappt doch nie«, sagte Gwenna und zog die Nase kraus. Ungläubig starrte sie auf die Vorrichtung in Nats Händen.
»Und wie das funktionieren wird.« Er grinste. »Du hast ja keine Ahnung, zu was dein kleiner Bruder fähig ist.«
»Doch, hab ich. Deshalb mache ich mir ja Sorgen.«
Er schnaubte leise. Gwenna hätte ihm wirklich mehr Vertrauen entgegen bringen können. Nur, weil er ein- oder zweimal …
»Ich weiß noch genau, wie du beschlossen hast, Müllerbrechts Pegasus zu klauen«, sagte sie.
»Das hat ja auch hingehauen.« Nat verschränkte die Arme. »Und mein Plan war super, das musst du zugeben. So weit wie ich ist noch keiner gekommen.«
Bis auf das Dach des dreistöckigen Fachwerkhauses hatte er es dank seiner Klettergreifhaken geschafft. Nach ganz oben, wo Müllerbrechts kräftiges Tier seinen Schlafplatz hatte. Ein Pegasus mit einer Flügelspannbreite von fast zehn Metern, der alleine eine halbe Tonne Mehl transportieren konnte. Tausend Kronen hätte er für den bekommen, mindestens.
»Ja, ja, deine Pläne sind immer super.« Gwenna lehnte sich auf ihrem Ast zurück und sah in den Himmel. »Leider gehen sie immer schief. Weil du jedes Mal ein Detail vergisst. So wie das Detail, dass du nicht reiten kannst.«
»Ich hätt’s fast geschafft«, murmelte Nat.
Wer hätte auch gedacht, dass der Pegasus so bockig sein würde? Sobald er Nat auf seinem Rücken gespürt hatte, war er losgesaust, hatte gebockt und sich geschüttelt … Ihm wurde immer noch ein wenig mulmig, wenn er daran dachte. Zehn Meter über dem Boden hatte das Vieh ihn abgeworfen. Zum Glück war das nächste Dach, auf dem er gelandet war, sechs Meter hoch gewesen und die nächste Regenrinne vier, der Marktstand mit der löchrigen Markise zwei und das Kopfsteinpflaster … Er schauderte.
»Fast geschafft bedeutet, dass ich dich von einer«, Gwenna bedachte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick, »verdammt teuren Heilerin zusammenflicken lassen musste. Dreihundert Kronen hat die Alte mir abgeknöpft.«
»Aber …«
»Und jetzt sei ruhig und konzentrier dich.«
Nat knurrte leise, sah aber ebenfalls nach oben. Um sie herum rauschten die fünffingrigen Blätter. Sie waren auf die größte Kastanie im ganzen Stadtpark geklettert, um nach der Kutsche der Familie von Dübelknecht Ausschau zu halten.
Der Stadtpark war ideal für ihr Vorhaben. Groß, dunkel und still. Nachts verirrte sich niemand hierher, bis auf ein paar Besoffene und Verrückte. Und Diebe, die Besoffene und Verrückte ausraubten. Diebe wie sie. Nur, dass ihre Bande hinter einem weit größeren Fisch her war als den paar Kronen, die ein betrunkener Arbeiter in seinen Taschen hatte.
Dafür ließ sich alles ertragen: der eisige Wind, der unter Nats zerlumpte Klamotten kroch, der harte Ast, dessen Abdruck sich in seinen Hintern grub und das ewige Warten, das seine Arme lahm werden ließ. Seinen Langbogen hatte er neben sich an die zerfurchte Rinde des Stamms gelehnt, damit er ihn gleich packen konnte, sobald die verdammte Kutsche endlich auftauchte.
Das hier war ihre größte Chance. Der Raubüberfall, nach dem sie nie wieder jemanden ausrauben mussten. Na ja, höchstens aus Spaß. Vielleicht würde Nat sich ab und zu aus dem edlen Stadthaus, das er sich kaufen würde, schleichen und auf Diebestour gehen. Um der alten Zeiten willen.
Er kicherte leise. Obwohl die Aufregung in seinem Magen rumorte, konnte er es kaum erwarten, dass es endlich losging …
»Und?«, kam eine heisere Stimme von unten. Robarth klang immer, als hätte er mit einer Mischung aus Glasscherben und Kieselsteinen gegurgelt.
»Noch nichts«, gab Gwenna nach unten weiter.
»S-seid ihr wirklich sicher, dass sie hier lang fliegen?«, fragte Berh zum hundertsten Mal.
»Ja, zur Hölle«, antworteten die anderen vier, wie aus einem Mund.
Die anderen vier, das waren Nat, Gwenna, Robarth und die Zofe. Die Zofe hatte Gwenna letzten Monat in »Kalles Tavernchen« aufgegabelt. Dort hatte sie ihren Frust in Met ersäuft. Na, es zumindest versucht. Der Frust der Zofe war unersäufbar. Nat hatte selten eine so verbitterte Frau getroffen und er war im beschissensten Viertel der Stadt aufgewachsen.
Er mochte die Zofe nicht besonders. Ihre verbissene Miene, ihr überhebliches Getue, ihre Frustfalten und die sich stetig verändernde Geschichte, wie sie ausgepeitscht und aus dem Palast geworfen worden war, obwohl sie nur einen ganz kleinen Hühnchenschlegel geklaut hatte. Und eine ganz alte Decke. Und eine winzige Gallone Wein, einen schon vollkommen abgetragenen Rubinring und ein total wertloses Stück Gold … Na, trotzdem war die griesgrämige Olle die erste Chance, die sie je gehabt hatten, um in den Palast zu kommen.
In den fünf Jahren, die sie dort gedient hatte, hatte sie sich gut umgesehen. Sich eingeprägt, wo sich die kostbarsten Gegenstände befanden und welche davon am schlechtesten bewacht wurden. Und wie der Adel sich verhielt. Das war wertvoll.
Nachdem Gwenna sie mit ins Boot geholt hatte, hatte die Zofe die letzten vier Wochen damit verbracht, Gwenna und Nat beizubringen, sich wie echte Adlige zu benehmen. Elegant zu schreiten, vornehm zu sprechen und die Nase so hoch zu halten, dass es reinregnete.
Gwenna hatte deutlich schneller gelernt als er. Nat konnte es nicht lassen, zu fluchen, sich an den falschen Stellen zu kratzen und Sätze mit »Alter …« zu beginnen. Irgendwann hatten sie entschieden, dass er einen Stummen spielen würde, um wenigstens ein Risiko auszuschließen. Vielleicht wollte Gwenna auch, dass er mal für zwei Stunden die Klappe hielt.
»Wo bleiben die?« Selbst seine sonst ruhige Schwester wurde langsam nervös. Sie senkte die Stimme. »Meinst du, die verdammte Zofe weiß so viel, wie sie behauptet?«
»Das haut schon hin.« Nat lockerte seine Schultern. In der Ferne dröhnten die Glocken der großen Uhr, kaum gedämpft durch das dichte Blattwerk der Kastanie um sie herum. Neun Schläge. »Hörst du? Der Frühlingsball fängt erst um zehn an. Die guten von Dübelknechts haben noch alle Zeit der Welt, um hier rüberzuschweben.«
»Hm.« Gwenna knabberte an ihrem Daumennagel. Ihre dunklen Augen suchten den fast ebenso dunklen Himmel ab. Aber das unbewegte Leuchten der Sterne blieb das einzige Licht.
Nat streckte sich. Gähnte. Atmete tief ein, um die Hummeln in seinem Bauch zu beruhigen. Es würde gut gehen. Bestimmt. Ganz bestimmt.
Ganz, ganz bestimmt.
»Wenn man im Palast erwischt wird, was kriegt man dann nochmal? Hundert Peitschenhiebe oder die Klippe?«, fragte Gwenna, als hätte sie seine Gedanken erraten.
»Die Klippe. Todesstrafe«, brummte er und versuchte, gelassen zu klingen. »Die Zofe ist mit zehn Peitschenhieben davon gekommen, weil sie sie nur mit dem Hühnchenschlegel ertappt haben. Hätten sie gewusst, was sie sonst noch mitgenommen hat …« Er machte eine fallende Bewegung mit der Hand.
»Und wenn sie außerdem noch so getan hätte, als wäre sie adlig …« Gwenna schauderte. »Noch können wir zurück.«
»Wie? Robarth ist dabei.« Nat sah nach unten, wo er zwischen den Blättern einen kleinen Ausblick auf Robarths Stiernacken und seine Metzgerpranken erhaschen konnte. »Denkst du, der lässt uns einfach aussteigen? Da riskier ich lieber die Klippe, als von dem zerkrümelt zu werden.«
»Wir könnten abhauen?«, schlug Gwenna vor, aber ihre Stimme klang äußerst unsicher.
»Wie? Wir sitzen auf einem Baum und der Nackenbrecher steht da unten. Wie sollen wir ihm das erklären?«
»Ach, keine Ahnung.« Gwenna kniff die Lippen zusammen. »Früher oder später sehen wir eh die Klippe. Ob’s für Diebstahl oder Raub oder was anderes ist. Du hättest sie für den Pegasus bekommen und ich für die kleine Trickserei mit den Karten, wenn sie uns erwischt hätten. Dann lieber gleich ein großes Ding drehen.«
»Genau.« Er lächelte ihr zu. »Denk dran, wenn das klappt, haben wir ausgesorgt.«
»Oder kriegen die Todesstrafe.«
»Für was kriegt man inzwischen nicht die Todesstrafe?«, fragte Nat. »Hab gehört, sie verurteilen dich zur Klippe, wenn du ein Mitglied der Wache schlägst. Oder den Kaiser beleidigst. Man kriegt schon zehn Peitschenhiebe, wenn man einen anderen Mann küsst.«
Klang er so gelassen, wie er hoffte? Er hatte Gwenna nie gesagt, dass …
Ein Ruck ging durch seine Schwester.
»Da ist was«, flüsterte sie. »Da drüben.«
Ihr Finger zeigte in den trüben Nachthimmel. Und tatsächlich, ganz weit hinten, dort, wo die Silhouetten der schäbigen Häuser sich vom Nachthimmel abhoben, bewegte sich etwas. Ein winziger Lichtpunkt, der nur langsam größer wurde …
Nat fuhr hoch. Kribblige Aufregung schoss in seinen Körper. Er griff nach seinem Langbogen und verfehlte ihn. Seine Finger streiften das Holz, der Bogen wackelte, rutschte …
Und fiel.
»Du Trottel«, rief Gwenna und hechtete nach vorne. Ihre Hand schloss sich eine Sekunde zu spät und der Bogen verschwand zwischen den Blättern. Fast wäre Gwenna ihm hinterher gefallen, wenn Nat sie nicht gestützt hätte.
»Du Vollidiot, tu was!«, brüllte sie ihm ins Gesicht, anstatt sich zu bedanken. Blitzschnell hangelte er die Äste hinunter. Zweige zerkratzten sein Gesicht und peitschen über seine Arme.
»Alles in Ordnung?«, brüllte Robarth hinauf.
»Ja, ja, alles perfekt«, rief Gwenna. Wenn sie das verpatzten, würden sie sich wegen der Klippe keine Sorgen machen müssen. Robarth würde ihnen bei lebendigem Leib die Haut abziehen.
Der Bogen war auf einem Ast knapp über der Erde gelandet. Nat schnappte ihn sich, streifte ihn über seine Schulter und begann den Aufstieg.
»Wie weit sind sie?«, flüsterte er Gwenna zu.
»Fast da. Beeil dich.«
Der blöde Bogen blieb überall hängen, in jedem verdammten Zweig, in jeder verfluchten Astgabel. Nats Finger krallten sich in die rissige Rinde des nächstbesten Astes. Beinahe geschafft. Er zog sich hoch, schwang sich an seinen ursprünglichen Sitzplatz und streckte die Hand aus. Gwenna reichte ihm den schweren Pfeil.
»Das funktioniert doch nie«, flüsterte sie, ihre Stimme schrill vor Panik.
»Klar funktioniert das.« Er grinste breit, schlang die Beine um den Ast, auf dem er saß, und spannte den Bogen. Die Pfeilspitze war schwer. Sehr schwer, was an der Vorrichtung lag, die er dort angebracht hatte. Ein Lederhandschuh, gefüllt mit Metall. Drei Hufeisen und mehrere kleine Erzstücke, die er beim Schmied besorgt hatte, polsterten ihn aus. Gwenna sah ungläubig auf den Pfeil, der wie ein spindeldürrer Arm mit einer behandschuhten Faust aussah.
»Das kann gar nicht klappen. Das sieht so bescheuert aus.«
»Ein bisschen mehr Vertrauen bitte«, sagte Nat. Sein Arm zitterte jetzt schon vor Anstrengung. Wo war die verdammte Kutsche? Wo …
Dann sah er sie. Ganz nah. Ein paar Bäume entfernt, schwebte sie langsam über die Baumkronen des Stadtparks. Wunderbar tief. Klar, die Familie von Dübelknecht bestand aus Landadligen, die weit weg auf den Schären wohnten. Vermutlich wollten sie alle Eindrücke der Stadt mitnehmen, wenn sie schon einmal da waren.
Hinter der Glasscheibe erblickte er ein kleines Gesicht mit einer gigantischen Perücke darüber, das fasziniert nach unten schaute. An der Seite der ohnehin reich verzierten Kutsche prangte ein goldenes Emblem. Vier braune, geflügelte Pferde zogen sie, zwei vorne, zwei hinten, deren mächtige Flügel die Luft aufwirbelten, so stark, dass ein Hauch über seine verschwitzte Wange strich …
Noch einmal atmete er tief ein. Nur ein Schuss, erinnerte er sich. Wenn er nicht traf, war es vorbei. Dann wären sie gewarnt, dann würden sie abdrehen. Sein zitternder Arm bewegte sich noch einen Millimeter nach hinten, seine verkrampften Finger packten die Sehne fester, fixierten den Kopf des Pegasus, der ganz vorne flog …
Er schoss.

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